Man lernt nie aus

16. Juli 2026 | Logbuch | 0 Kommentare

On­line-Re­por­ter Mi­cha­el Ben­ter im Ge­spräch mit Bir­git Kiel

Hal­lo Mi­cha­el, vie­len Dank, dass du mich heu­te zu ei­nem In­ter­view ein­ge­la­den hast. Ich bin eine be­geis­ter­te Le­se­rin eu­rer Bei­trä­ge, die ich sehr in­ter­es­sant, hu­mor­voll und oft auch sehr be­rüh­rend finde.

Dan­ke zu­rück, lie­be Bir­git! Seit wann bist Du in der Ca­ri­tas-Werk­statt mit dem An­ge­bot Schu­le tätig?

Tat­säch­lich bin ich schon seit 2015 mit mei­nem Bil­dungs­an­ge­bot hier tä­tig, in den ers­ten vier Jah­ren ne­ben­be­ruf­lich, je­weils freitags.

Hat­te die Ca­ri­tas Dich als Leh­re­rin gesucht?

Den Kurs „Le­sen, Schrei­ben, Rech­nen“ gab es schon vor mei­ner Zeit hier. Herr Kuh­nert, ein en­ga­gier­ter Rent­ner, bot ihn ge­mein­sam mit Frau Geiß­ler für in­ter­es­sier­te Be­schäf­tig­te an. Als er aus ge­sund­heit­li­chen Grün­den auf­ge­ben muss­te, such­te die Ca­ri­tas-Werk­statt in ver­schie­de­nen Bil­dungs­ein­rich­tun­gen nach Er­satz. Zu die­sem Zeit­punkt ar­bei­te­te ich an der „Re­gen­bo­gen­schu­le“ in Hen­nigs­dorf, ei­ner Schu­le mit dem För­der­schwer­punkt „Geis­ti­ge Ent­wick­lung“. Die Schul­lei­tung trat ei­nes Ta­ges mit der Fra­ge an mich her­an, ob ich mir eine Ne­ben­tä­tig­keit als Lehr­kraft in der Caritas–Werkstatt vor­stel­len könn­te. Da ich nun schon seit über 25 Jah­ren im Schul­be­reich ar­bei­te­te, sah ich das als Her­aus­for­de­rung an. Das Schul­amt stimm­te un­ter der Be­din­gung zu, dass mei­ne Wo­chen­ar­beits­zeit nicht ver­än­dert wer­den darf, was be­deu­te­te, dass ich mei­ne Frei­tags­stun­den auf die ver­blei­ben­den vier Tage ver­tei­len muss­te. Das war schon hart. Mir ge­fiel es je­doch von An­fang an in der Werk­statt sehr. Das Be­triebs­kli­ma und die Ar­beit mit Er­wach­se­nen ta­ten mir gut. Mein ei­ge­ner Slo­gan lau­te­te: „Ich freue mich auf Freitag“.

Ein Ar­beits­un­fall, der eine schwe­re Sprung­ge­lenks­frak­tur zur Fol­ge hat­te, gab 2019 den An­stoß, mich be­ruf­lich zu ver­än­dern. Noch wäh­rend der Reha gab ich eine In­itia­tiv­be­wer­bung bei der Werk­statt­lei­tung ab. Im Nach­hin­ein be­trach­tet, muss es ein recht bi­zar­res Bild ge­we­sen sein, wie ich mit ei­nem Vacoped–Stiefel am Bein und zwei Geh­hil­fen ge­ra­de­wegs von der Reha zum Be­wer­bungs­ge­spräch „hum­pel­te“. Ver­ständ­li­cher­wei­se gab es auch den ei­nen oder an­de­ren Zweif­ler, der sich erst von mei­ner Eig­nung über­zeu­gen muss­te. Ich bin sehr dank­bar, dass man mir das Ver­trau­en schenk­te und ich den Job be­kam, den ich bis heu­te sehr liebe.

Dei­ne An­ge­bo­te lau­fen am Diens­tag (am Hei­de­ring), Mitt­woch (Cam­pus Q), Don­ners­tag (am Hei­de­ring) und Frei­tag (Ke­ra­mik in der Haupt­werk­statt). Be­rei­test Du die Auf­ga­ben für Diens­tag, Mitt­woch und Don­ners­tag vor?

Mitt­ler­wei­le be­su­chen 96 Be­schäf­tig­te mei­ne Kur­se und An­ge­bo­te, da­von sind ca. 70 in „Le­sen, Schrei­ben, Rech­nen“. Das er­for­dert schon ei­ni­ges an Vor­be­rei­tung. Da ich in Teil­zeit ar­bei­te, be­trägt mei­ne Ar­beits­zeit am Mon­tag nur 2,5 Stun­den, die ich im Home Of­fice leis­te. Die Wo­chen­vor­be­rei­tung fin­det also bei mir im­mer mon­tags statt.

Stellst Du diens­tags bis don­ners­tags im­mer die glei­chen Auf­ga­ben, oder hast Du vie­le ver­schie­de­ne Auf­ga­ben von leicht bis schwer?

Wie du ja weißt, ha­ben wir Un­ter­richt in Deutsch, Ma­the­ma­tik und Sach­kun­de. Wir ver­su­chen, die Kur­se so zu be­le­gen, dass ein Groß­teil der Be­schäf­tig­ten am glei­chen The­ma ar­bei­ten kann. Das klappt aber nicht im­mer, denn je­der ist auch als Per­son an­ders, das gilt es zu be­rück­sich­ti­gen. Wir ha­ben Schü­ler, die erst die Buch­sta­ben ken­nen­ler­nen und an­de­re, die be­reits ein Fach­ab­itur in der Ta­sche ha­ben. Da­zwi­schen ist al­les vertreten.

Wenn Du für die Schu­le Ma­te­ria­li­en be­sorgst, be­kommst Du da ein Bud­get von der Werk­statt, oder musst Du das von Dei­nem Lohn bezahlen?

Ich habe ein fest­ge­leg­tes Jah­res­bud­get für die Kur­se „Le­sen, Schrei­ben, Rech­nen“ und „Krea­ti­ves Ge­stal­ten mit Ton“. Da­von wer­den vor­wie­gend Ver­brauchs­ma­te­ria­li­en wie Ton und Gla­su­ren be­zahlt. Auch das eine oder an­de­re Ar­beits­heft zu ver­schie­de­nen Un­ter­richts­the­men ist da­bei. Wie in an­de­ren Be­rei­chen üb­lich, stel­le ich ei­nen An­trag, der von der Werk­statt­lei­tung ge­neh­migt wer­den muss. Ist das der Fall, kann be­stellt wer­den. Ich per­sön­lich bin ein gro­ßer Fan von gu­ten An­schau­ungs­ma­te­ria­li­en und Mo­del­len für den Un­ter­richt, die ich gern über den Betzold–Schulverlag be­stel­le. Die­se Ma­te­ria­li­en be­zah­le ich na­tür­lich selbst.

Was macht Dir bei der Ar­beit hier am meis­ten Spaß? Und was ist für Dich da­bei die größ­te Herausforderung?

An mei­ner Ar­beit lie­be ich be­son­ders die gro­ße Viel­falt. Mir ist grund­sätz­lich je­der will­kom­men, der et­was ler­nen will. Das ist gleich­zei­tig auch die größ­te Her­aus­for­de­rung. Her­aus­zu­fin­den, wo je­mand „steht“, ihn dort „ab­ho­len“ und dar­auf auf­zu­bau­en, dar­in be­steht mei­ne Auf­ga­be. Das macht mir Spaß und for­dert mich enorm.

Wie schaffst Du es, dass Du al­les al­lein hinbekommst?

Ich glau­be, wenn man et­was gern tut, denkt man nicht so sehr dar­über nach, ob al­les zu schaf­fen ist. Ich bin ein sehr or­ga­ni­sier­ter Mensch und baue mir stets mein ei­ge­nes Sys­tem auf. Das ist bei mei­ner Tä­tig­keit hilf­reich. Ich muss aber auch nicht al­les al­lein hin­be­kom­men. Es ist ein Ge­ben und Neh­men zwi­schen mei­nen Schü­lern und mir. Ich sehe uns als Team, als Ler­nen­de auf bei­den Sei­ten. Für vie­le un­se­rer Be­schäf­tig­ten hat das The­ma „Schu­le“ eine ne­ga­ti­ve Sei­te und wird mit zahl­rei­chen Miss­erfol­gen in Ver­bin­dung ge­bracht. Hier den Druck zu neh­men, im­mer al­les kön­nen zu müs­sen, wie­der das Ver­trau­en in die ei­ge­nen Fä­hig­kei­ten und die Freu­de am Ler­nen zu för­dern, dar­in sehe ich mei­ne größ­te Auf­ga­be. Wenn das ge­lingt, hat es sich gelohnt.

Ich fin­de es scha­de, dass es für Dich kei­ne Ver­tre­tung gibt. Das wür­de ich mir wün­schen. Ich ler­ne bei Dir jede Wo­che et­was Neues!

Das freut mich.

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