Annett Nehls und Michael Benter befragen Andreas Hirchert
Michael: Andreas ist immer lustig, immer gut drauf. Er gestaltete viel um im Raum, hat immer Mugge an. Hat jemand ein Problem, nimmt er sich sofort Zeit dafür. Er nennt mich Herr Bürgermeister, das ist unser Späßchen.
Annett: Andreas hat den Rundum-Blick, guckt nicht nur in seinen Raum, sondern auch in andere Arbeitsräume. Er fragt uns nicht nur nach der Arbeit, sondern auch, was sonst so los ist. Manche von uns kommen dadurch besser aus sich raus. Generell wartet er nicht, bis jemand zu ihm kommt, sondern geht auch auf uns zu. Nun unsere Fragen:
Wie hast Du die Werkstatt entdeckt? Kanntest Du sie schon vorher?
Ich bin gelernter Bäcker/Konditor und schloss 2009 berufsbegleitend eine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger ab. Fast 25 Jahre arbeitete ich im Förderbereich eines anderen Trägers. Aus privaten Gründen strebte ich einen beruflichen Wechsel an. Zufällig las ich die Stellenazeige der Caritas-Werkstatt. Ich bewarb mich per Mail, erhielt eine Einladung zum Gespräch – seitdem bin ich hier.
Bist Du glücklich, bei uns zu arbeiten?
Ich bin dankbar, bei der Caritas zu sein. Die Werkstatt war ein toller Neuanfang. Am ersten Tag empfing mich Sören: „Hier ist deine Gruppe, mach mal.“ Ich ging rein und sagte: „Jeder klebt bitte seinen Namen mit Klebeband auf den Tisch, in 14 Tagen könnt ihr die wieder abmachen.“ Danach hatte ich sie alle im Kopf. In meinem halben Jahr hier ist eine Menge passiert. Ich bin gekommen, um zu bleiben.
Wo und wie bereitest Du Dich auf die Arbeit vor?
So richtig vorbereiten kann man sich gar nicht, denn jeder Tag ist anders. Komme ich an, fahre ich den Computer hoch, tausche mich mit Steve vom Shuttle-Team aus und gucke, was anliegt. Ich versuche, mich in die Beschäftigten reinzuversetzen, am Ende sollen alle glücklich und zufrieden sein.
Wusstest Du gleich an Deinem ersten Tag, was Du hier verändern möchtest?
Nein, es dauerte etwa eine Woche, bis wir was verändern konnten. Die Beschäftigten haben ihren Alltag, jede Veränderung ist ein gravierender Einschnitt. Für meinen Schreibtischwechsel brauchte ich fast ein halbes Jahr.
Wie kommen Dir Deine vielen Ideen zu Veränderungen, die Du hier vor Ort umsetzt?
Generell kommen mir alle Ideen abends im Bett, wenn ich meinen Tag reflektiere.
Kommst Du in dem von Dir umgestalteten Raum jetzt besser klar?
Auf jeden Fall! Ich hab die Tür im Blick und kann nach draußen gucken, die Sonne sehen. Vorher saß ich quasi hinterm Schrank.
Kommst du auch mal mit dem Fahrrad zur Arbeit oder immer nur mit dem Auto?
Meistens mit Auto oder Motrorrad. Im Winter möchte ich auch mal mit dem Zug von Zehdenick bis Oranienburg und von dort mit dem Fahrrad herfahren. Außerdem träume ich von einem E‑Roller.
Wünschst du Dir mehr Aufträge für Deinen Bereich, oder ist das so in Ordnung?
Zur Zeit freuen wir uns über jeden kleinen Auftrag, aber fehlen sie, ist auch das nicht nur verkehrt. Ich komme besser mit den mir anvertrauten Menschen ins Gespräch und kann herausbekommen, was sie sich wünschen.
Wie gehst du damit um, dass du bei uns mit Menschen zusammenarbeitest, die eine Beeinträchtigung haben?
An meinem ersten Tag am Heidering dachte ich: Hier arbeiten aber viele in der Verwaltung! Viele von Euch hielt ich für Mitarbeiter. Als ich dann vom Shuttle-Team aus Beschäftigten erfuhr, dachte ich: Wollen die mich veräppeln? Es war ein himmelweiter Unterschied zu meinem vorherigen Job, die 25 Jahre in der Pflege. Auf jeden Fall macht es mir großen Spaß, mit euch zusammenzuarbeiten.
Du wurdest hier ins kalte Wasser geschmissen und zeigtest dich als sehr anpassungsfähig, was wir als eine Stärke ansehen. Was empfindest Du als Deine Stärken?
Anpassungsfähig bin ich wohl wirklich. Inzwischen hab ich hier fast alle Arbeitsbereiche durch, mir fehlen nur Demontage und Verwaltung. Erst neulich war ich für zwei Tage in der Küche. Wir kochten zusammen eine Suppe, und keiner meldete sich hinterher krank. (lacht) Als Bäcker und Konditor verfüge ich über Küchenerfahrung.
Hast Du aus Deiner Sicht auch Schwächen?
Ich bin „etwas“ ungeduldig, das ist meine totale Schwäche. Als ich das erste Mal mit Easy Care zu tun hatte, probierte ich viel aus und musste dann eine Menge wieder löschen. Viel Hilfe im Bereich Computer bekam ich von unserem Beschäftigten David Kirsch.
Bei Dir läuft wie gesagt immer Musik, was hörst Du denn am liebsten?
Alles, aber am liebsten Ostseewelle! Ich liebe es, zu verreisen, sehr gern nach Mallorca, oder eben an die Ostsee. Die Ostseewelle ist für mich die Verbindung zu Meer und Urlaub, ob auf Arbeit, im Auto oder zuhause.
Apropos, was machst Du in Deiner Freizeit, hast Du Hobbys? Wir wissen: Du begeisterst Dich für Autos und Motorräder.
Ganz oben steht der Fußball, ich begleitete und trainierte meinen Sohn, bin bis heute als Co-Trainer tätig. Dann kommen Verreisen, Autos und Motorrad. Nun kaufte sich mein Sohn ein Haus. Das um- und auszubauen ist für das nächste halbe Jahr mein größtes Hobby. Wir wollen so viel wie möglich selbst machen. Was du selbst geschaffen hast, siehst du mit anderen Augen.
Kannst Du nach Deiner Arbeit abschalten, die Arbeit auf Arbeit lassen?
Das lernte ich in meinem Berufsleben. Von der Werkstatt bis nach Hause fahre ich mit dem Auto eine halbe Stunde. Ich drehe die Musik laut auf, das hilft mir, abzuschalten. Im Sommer nehme ich das Cabrio, da weht mir dazu ordentlich Wind um die Ohren.
Michael: Ich möchte Dir dafür danken, dass Du mich unterstützt hast. Auf jeden Fall ist es sehr lustig bei uns, seitdem Du hier bist.
Andreas: Vielleicht verraten wir zum Schluss noch, wie ich auf Deinen Spitznamen kam. Bei uns in Zehdenick war die Bürgermeisterstelle vakant. Du kennst Hinz und Kunz, kommst mit jedem ins Gespräch. Würdest Du Dich zur Wahl stellen – meine Stimme hättest Du!







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