Die Online-Reporterinnen und Reporter des Heiderings befragen ihren Standortleiter Sören Neubert
Lieber Sören, wie wurdest Du auf die Caritas-Werkstatt aufmerksam?
2012 nahm ich eine Auszeit von meinem damaligen Berufsleben. Für ein Jahr ging ich ehrenamtlich an das Caritas-Hospiz in Pankow. Deren Sozialarbeiterin sagte zu mir: „Ich kenne den Leiter der Caritas-Werkstatt in Oranienburg. Wenn Du gern im sozialen Bereich arbeiten möchtest, solltest du mal mit ihm sprechen.“
Daraufhin traf ich mich mit Herrn Lau und absolvierte Januar 2013 ein Praktikum in der Verwaltung der Hauptwerkstatt. Ich fand es so toll, in einem sozialen Unternehmen zu arbeiten, dass ich mich bei der BWB in Berlin als stellvertretender Betriebsleiter bewarb. Ein Jahr arbeitete ich dort und dazu weiterhin ehrenamtlich im Hospiz, als mir Herr Lau eine Stelle in der Caritas-Werkstatt anbot. Seit dem 1. April 2014 bin ich hier.
Du fingst in der Hauptwerkstatt an, was waren dort Deine Aufgaben?
Als Fachkraft im Gruppendienst arbeitete ich in der Werbemittelfertigung. Zugleich versuchte ich, dort verschiedene Arbeitsprozesse anzupassen. Nach einem Jahr übernahm ich als Produktionsleiter den Heidering.
Wolltest Du das so, oder musstest Du dazu überredet werden?
Das wollte ich so. Ich hab es mir abgewohnt, Jobs zu machen, die ich nicht möchte.
Du bist ständig im Haus wie auf dem Gelände und nur selten in Deinem Büro anzutreffen – mischt Du lieber in der Produktion mit, statt zurückgezogen am PC zu arbeiten?
Meine Aufgaben sind sehr vielfältig: in der Produktion mitwirken, Prozesse anpassen, Neues entwickeln und vieles mehr. Mich treiben stets die zu erfüllenden Aufgaben. Das Büro ist mir dazu lediglich Mittel zum Zweck, genau wie Hubwagen und PSA in der Produktion.
Bist Du auch mal in den anderen Zweigwerkstätten tätig?
Ich vertrete Marcel Teichmann am Aderluch, dazu gibt es viele Schnittstellen zu allen Betriebsteilen, sei es durch Gremienarbeit oder Gedankenaustausch.
Welche Deiner Arbeitsaufgaben erfüllt Dich am meisten?
Spaß macht mir all das, was ich sofort oder zügig erledige. Themen, die mir nicht so behagen, bleiben manchmal liegen und hängen dann wie ein Damoklesschwert über mir. Am reizvollsten ist es für mich, zu sehen, wie sich Mitarbeiter, Beschäftigte und das Haus entwickeln. Ich genieße die große Gestaltungsfreiheit, die ich hier habe. Wenn mir etwas gelingt, was dann meine Handschrift trägt, erfüllt mich das natürlich mit Freude, aber am Ende haben es die Beschäftigten und Fachkräfte umgesetzt. Stolz macht mich also auch, wenn andere ebenfalls gern herkommen
Wie kommen die Aufträge für die Zweigewerkstatt Faktor C zustande?
Netzwerkarbeit, Telefonate, Mails – viele Akquise-Wege führen zu neuen Aufträgen. Oft hilft ein Blick ins Branchenbuch: Welche Firmen machen etwas, wobei wir ihnen helfen können. Dort rufe ich dann an und frage: „Wir könnten euch Arbeit abnehmen, habt ihr Interesse?“
Die Firma Friesen beschäftigte seinerzeit fünf Arbeitsgruppen unseres Hauses. Als sie weggingen, musste sich die gesamte Demontage völlig neu aufstellen. Friesen bot zwar jede Menge Arbeit, aber ohne Entwicklungspotential für die Beschäftigten und den Standort. Erst, als sie wegzogen, hatten wir die Möglichkeit, Neues zu etablieren, die Fähigkeiten und Fertigkeiten unserer Beschäftigten und Fachkräfte auszubauen.
Generell höre ich mich überall um und erzähle auch im Freundeskreis von uns, getreu dem Motto: „Wir können alles! Was davon braucht ihr?“ Auf keinen Fall sitze ich passiv im Büro und warte, dass jemand mit einem Auftrag daherkommt.
Gibt es bei Deiner Arbeit Ideen, die Du besonders gern umsetzen möchtest?
In der Produktion besteht ein stetiger Bedarf an Neuem. Oft sitzen wir im erweiterten Leitungskreis zusammen, jeder bringt seine Expertise mit ein. Daraus entstehen Ideen, die dann zu einer gemeinsamen Idee heranwachsen. Es ist toll, ein Teil davon zu sein, das Ganze voranzubringen, andere von dieser Idee zu begeistern. Ich bin kein Eigenbrötler, sondern Teamspieler. Dass ich dabei mitunter vorn im Schussfeld stehe, gehört zu mir als Sören – aber am Ende ist es schön, wenn‘s eine gemeinsame Idee ist und der Erfolg allen zugeschrieben wird, am Ende vor allem unseren Mitarbeitern und Beschäftigten.
Wie stellst Du Dir die Zukunft des Heiderings vor?
Wir leben ja schon in der Zukunft! Möge unser Haus ein strahlendes Vorbild sein, was die Zufriedenheit unserer Mitarbeiter und Beschäftigten betrifft! Andere dürfen gern ein bisschen mit Bewunderung auf uns schauen, wie viel Spaß es allen hier macht! Der Heidering – ein begehrter Standort, an dem man gerne ist und (in unserer Cantina) isst! Die Leute sollen einfach Bock haben, hier im Berufsbildungsbereich zu lernen und dann in einen unserer Arbeitsbereiche zu gehen.
Du lebst den Heidering, bist Familienvater, arbeitest dazu noch immer ehrenamtlich. im Hospiz, wie bekommst Du das alles unter einen Hut?
Da ist schon einiges Aushalten und Zerrissen-Sein dabei. Manchmal hab ich ein schlechtes Gewissen gegenüber meiner Familie. Das ist ja hier kein Job, bei dem ich um eine bestimmte Uhrzeit sage: „Jetzt ist Feierabend, und morgen nehme ich frei!“ Meine Familie steckt da oft zurück, und mitunter höre ich daheim: „Du bist so viel auf Arbeit, was ist mit uns?“
Andererseits bietet mir mein Job viele Freiheiten. Ich arbeite nicht nach Zeiterfassungsbogen, sondern auf Zielerfüllung. Gut strukturiert, schaffe ich mir an dieser oder jener Stelle Freiräume. Entscheidend ist, dass ich das Ziel erreiche. Welchen Weg ich dazu wähle, kann ich weitgehend selbst gestalten. Ich sage übrigens ganz bewusst „meine Mitarbeiter, meine Beschäftigten“. Damit meine ich nicht, dass ich euch „besitze“, sondern dass ich mich mit allen hier sehr verbunden fühle, genau wie mit diesem unserem Haus.







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