Michael Benter befragt Philipp Focking: Wo und was hast Du gearbeitet, bevor Du in die Werkstatt kamst?
Ich war Planer und Bauleiter im Bereich Garten- und Landschaftsbau, zuerst in einem Landschaftsbau-Unternehmen, dann in einem Handwerksbetrieb.
Wie lange bist Du schon in unserem Grünteam?:
Ich startete 2010 im Arbeitsbereich Garten- und Landschaftspflege. Mein Vorgänger fiel längere Zeit krankheitsbedingt aus. „Dringend Urlaubsvertretung gesucht!“, hieß es da. Das war spannend für mich. Ich bin Gärtner aus Leidenschaft.
Warst Du der erste, der das Grün-Team im BBB im Josefhaus leitete?
Vorher gab es den Lehrgang Garten- und Landschaftspflege, übrigens auch hier im Josefhaus. Bald, nachdem ich kam, befand sich der BBB im Umbruch. Rainer Schulz sprach mich an, ob ich mir vorstellen könne, dabei mitzuwirken. Im Frühling 2014 wechselte ich in den Berufsbildungsbereich und startete im Herbst mit der sonderpädagogischen Zusatzausbildung. Die Erfahrungen aus dem Arbeitsbereich halfen mir, die richtigen Schwerpunkte in der beruflichen Bildung zu setzen. Unsere Beschäftigen lernen hier die Maschinen kennen, die im Arbeitsbereich und auch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt verwendet werden.
Machst du morgens einen Rundgang und guckst, was gemacht werden muss – und sagst dann Deinen Beschäftigten, welche Arbeiten an diesem Tag anliegen?
Meistens sehe ich am zu Ende gehenden Arbeitstag, was am Folgetag zu tun ist. Hatte ich Urlaub, mache ich anschließend erst mal einen Rundgang, um zu sehen: Wo besteht am nötigsten Handlungsbedarf?
Was ist, wenn Beschäftigte zu dir kommen und sagen: Ich will das und das machen!
Sehen Beschäftigte, was zu tun ist, lasse ich sie das gern machen. Zumeist aber sind sie im BBB zunächst noch nicht so erfahren. Da ist es eher selten, dass sie Vorschläge machen. Hat aber jemand den gärtnerischen Blick, bremse ich sie oder ihn nicht.
Warum erstellst Du jeweils einen Tagesplan, den die Beschäftigten jeden Nachmittag ausfüllen müssen? Das ist im Heidering anders.
Bei uns liegt der Schwerpunkt darauf, dass Beschäftigte am Ende des Tages reflektieren: Was habe ich heute getan? Die entsprechenden Zeilen mit den Uhrzeiten helfen beim Erinnern. Dazu hängt ein Wochenplan im Raum, an dem sie sich orientieren können. Reflektieren, Schreiben, auf den Kalender schauen – Dinge fürs Leben!
Ich mochte das nie.
Wir gestalten unsere berufliche Bildung in Anlehnung an jene auf dem 1. Arbeitsmarkt. Auch dort hatte ich jeden Tag aufzuschreiben, mit welchen Maschinen ich was bearbeitete, wie das Wetter war und dergleichen mehr. Apropos, unseren Regenstands-Anzeiger installierten wir um 2014/15.
Wie kamst Du auf die Idee, die „Pflanze der Woche“ zu präsentieren?
Als Gärtner arbeiten wir mit Pflanzen, also sind Pflanzenkenntnisse sehr wichtig für uns. In der Berufsausbildung zum Gärtner musst Du über 300 verschiedene Pflanzen kennen. Das wäre bei uns in der Werkstatt eine Überforderung, deshalb jede Woche nur eine neue Pflanze. Die ergeben ein Repertoire von etwa 50 Pflanzen – immer jene, welche von der Jahreszeit her interessant sind. Als Grundlage dienen mir die Fachbücher, mit deren Hilfe ich dereinst mein Gärtnerhandwerk erlernte.
Wie lange machst Du das schon?
Seitdem ich im BBB bin, und ich finde es nach wie vor faszinierend. Ich hole Pflanzenteile rein, so gucken wir uns zum Beispiel ein Blatt an: Welche Form hat es, wie sieht sein Rand aus und dergleichen mehr. Dazu schauen wir uns Bilder oder ein kleines Video an, dann wird das Ganze aufgeschrieben und eine Skizze angefertigt. Manchmal können sich die Beschäftigten wünschen, welche Pflanze jeweils für eine Woche drankommt.
Kolleginnen von mir wünschen sich, dass die „Pflanze der Woche“ auch anderswo zu sehen ist, am Heidering oder Aderluch. Kannst Du Dir das vorstellen?
Klar kann ich mir das vorstellen. Das könnte man am Heidering auf die Pflanzen anpassen, die dort wachsen und gedeihen. Ich könnte vor Ort zeigen, wie ich das mache – und jemand übernimmt es dann!
Ich hörte von Frank, dass Du unsere Beiträge im Logbuch liest, kannst Du mit ihnen etwas anfangen?
Ich freue mich immer, wenn im Logbuch was Neues erscheint. Es ist toll, mitzukriegen, was in und um die Werkstatt herum passiert. Eure Beiträge lesen sich zumeist gut, manche lese ich in meiner Gruppe vor.