Online-Reporter Michael Benter interviewt Stefan Latotzke
Wo hast du gearbeitet, bevor du zur Caritas kamst?
Ich durchlief viele Betriebe. Als gelernter Autoschlosser reparierte ich LKWs, PKWs, Traktoren oder Hänger. Im Tiefbau fuhr ich Radlader, verlud Abwasserrohre oder Telefonleitungen, verkaufte Werkzeuge und Materialien. Ich schweißte Teile für den ICE oder koordinierte im Reifen-Erneuerungswerk Oranienburg Rohstoffe und Materialien für die Produktion. Zuletzt arbeitete ich zwei Jahre bei Orafol.
Wie hast du die Caritas-Werkstatt entdeckt und wie lange bist du schon hier?
Irgendwann wollte ich nicht mehr in Schichten arbeiten – und wurde gefragt, ob ich in der Caritas-Werkstatt anfangen möchte. Dort suchten sie jemanden für Rad & Tat. Im zweiten Gespräch fragte mich Herr Lau, ob ich mir auch vorstellen kann, am Aderluch zu arbeiten. Sie benötigten dort dringend zwei Leute im Förderbereich. Wir Gruppenleiter gehen dahin, wo wir gebraucht werden. Oktober 2020 fing ich an – und blieb bis heute am Standort Aderluch.
Ich lernte Dich in der Corona-Zeit kennen, als ich ein halbes Jahr mit meiner WG vom Valentinenhof bei Dir im Aderluch arbeitete. Erinnerst Du Dich noch an die Zeit mit uns, an Deine Rasselbande?
Stimmt, so nannte ich Euch, oder auch „meine Banditen“. Etliche von Euch zeigten sich anfangs eher skeptisch und vorsichtig. Ihr wohntet zusammen, und nun saht Ihr Euch dazu täglich auf Arbeit, das war sicher nicht einfach.
Mir ging es ähnlich. Ich war erst ein Vierteljahr am Aderluch. Kaum hatte ich mich hier ein wenig eingearbeitet, da kamt Ihr: von einem Tag auf den anderen 24 neue Leute. Ich musste euch alle ganz schnell kennenlernen, aber ich denke, wir fanden gut zueinander. Hatten wir mal keine Arbeit, spielten wir was oder gingen spazieren. Allerdings hatten wir vor allem durch die Masken jede Menge zu tun. Besonders gefiel mir, dass ihr zum Schluss alle so gut zusammenhieltet.
Konntest Du Dich darauf vorbereiten, dass wir bei Dir arbeiten, oder kam das für Dich ganz spontan?
Ich wusste es zwei oder drei Tage vorher. Viel Zeit blieb also nicht. Wegen der Ansteckungsgefahr solltet Ihr an einem Standort zusammenbleiben. Ich denke, es war die richtige Entscheidung unserer Leitung.
Ich arbeitete mit Axel Lange und Micha Brock an der chinesischen Maschine zum Masken-Verpacken. Wie kam es dazu, dass ich in der Mitte saß, aufpassen und auf Stopp drücken sollte, wenn die Maschine mal wieder bockte?
Du wolltest unbedingt an der Maschine arbeiten! Also ließ ich Dich ran, zuerst hinten, alsdann an den anderen Positionen. Dabei zeigtest du mir, dass Du es kannst! Ich musste schließlich darauf vertrauen können, dass Du Dich bei Deiner Arbeit nicht gefährdest. Du bekamst es wunderbar hin!
Als ich das halbe Jahr bei Dir arbeitete, kam bei Enrico Sachse von der Werbetechnik der Auftrag rein, Haltestellenschilder zu bekleben. Warum fragtest Du mich, ob ich Enrico dabei unterstütze?
Genau wie wir Fachkräfte arbeitet auch Ihr dort, wo ihr gebraucht werdet. Du warst vertraut mit der Materie, also fragten wir dich. Generell arbeiten wir in der Werkstatt Gruppen-übergreifend und helfen einander gegenseitig.
Und warum durfte ich in der Corona-Zeit zusammen mit Stephan Schneider die Tür der Hauptwerkstatt bekleben?
Auch hier lautet die Antwort: Weil du es kannst! Warum sollte es ein anderer tun? Das war schließlich deine angestammte Arbeit.
Als der normale Betrieb wieder begann und wir in unsere alten Bereiche zurückkehrten, bekamst Du da neue Aufgaben oder führtest du die alten weiter?
Als ihr weg wart, gab es große Veränderungen. Der Bedarf an Förderplätzen stieg, neue B.Plus-Gruppen kamen hinzu. Das erforderte bauliche Veränderungen. Wir brauchten mehr Pflegebäder, Umkleiden, Platz für Rollifahrer. Mittlerweile sind wir voll am Limit.
Generell haben wir immer wieder neue Kunden, dadurch kommen stetig neue Aufträge rein. Überhaupt versuchen wir, dass Ihr immer mal etwas anderes macht, damit es nicht langweilig wird. Die Arbeit hier soll ein Teil Eures Lebens sein, der Euch Freude bereitet.
Welche Aufgaben hast Du jetzt?
Unter anderem verteilen wir Gemeindebriefe in Zehlendorf und Oranienburg, auch mit anderen Gruppen. Weil wir zeigen wollen, was Ihr alles macht, gehen wir in die Öffentlichkeit. Mit den Anwohnern ins Gespräch zu kommen, ist wunderbar.
Zum Schluss möchte ich mich bei Dir bedanken, dass Du damals meinen Kollegen Axel bei seinem Arbeitsunfall sofort geholfen hast und mit ihm zum Durchgangsarzt gingst.
Das war ein Schlüsselmoment, ist aber kein Grund, danke zu sagen. Jeden Tag unterstützen Menschen andere Menschen – und ich erwählte das zu meinem Beruf. Am Ende ging alles gut. Axel und ich gewannen großes Vertrauen zueinander.
Wir alle haben viel gelernt, gelacht, und zum Abschied gab‘s auch ein paar Tränen – also war wohl nicht alles schlecht. Der Abschied von Euch fiel mir nicht leicht, es war eine schwierige, aber schöne Zeit. Es brauchte Vertrauen und die Bereitschaft, sich aufeinander einzulassen, genau wie den Mut, sich selbst etwas zuzutrauen. Ihr wart ein gutes Team!
Das sehe ich auch so. Ich hab übrigens unser Gruppenfoto noch
Ich auch!







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