On­line-Re­por­ter Mi­cha­el Ben­ter und Frank Nuss­bü­cker lausch­ten den „Vä­tern des Hei­de­rings“ An­dré Ker­kow und Mar­cel Teichmann:

An­dré Ker­kow: Ich bin seit 2003 in der Werk­statt. In den Jah­ren 2003 bis 2006 als Grup­pen­lei­ter der Me­tall­ver­ar­bei­tung zu­sam­men mit mei­nem Kol­le­gen Rai­ner Schulz. 2006 wur­de ich Be­reichs­lei­ter der Wä­sche­rei und der Me­tall­ver­ar­bei­tung. Ende 2007 be­kam ich den Be­reich see­lisch be­ein­träch­tig­ter Men­schen hin­zu, die in der Ber­li­ner Stra­ße 60 A ihr Do­mi­zil hat­ten. Die­se bei­den Grup­pen wur­de schnell grö­ßer, so­dass wir 2008 eine wei­te­re Au­ßen­stel­le hin­zu­mie­ten muss­ten. Zu­sam­men mit Herrn Hoh­berg und wei­te­ren Kol­le­gen bau­ten wir die­se in den hin­te­ren Räu­men der Ber­nau­er Stra­ße 100 auf. Nun­mehr hat­ten wir zwei Au­ßen­stel­len, die aber auch sehr zeit­nah aus „al­len Näh­ten platzten“.

Zum zwei­ten wuchs auch der Me­tall­be­reich enorm. Die De­mon­ta­ge, wel­che für die Fir­ma Frie­sen im Ge­wer­be­park Nord Licht­ma­schi­nen und An­las­ser für PKW zer­leg­te, ar­bei­te­te mitt­ler­wei­le an drei Standorten.

Mar­cel Teich­mann: Es stell­te eine Her­aus­for­de­rung für Lei­tung und Fach­diens­te dar, stän­dig von Stand­ort zu Stand­ort zu sprin­gen. Sämt­li­che Au­ßen­stel­len muss­ten mit Mit­tag­essen ver­sorgt wer­den, dazu trans­por­tier­ten wir täg­lich ton­nen­wei­se Ma­te­ri­al von Frie­sen an un­se­re Stand­or­te und zu­rück. „Macht die­ser lo­gis­ti­sche Auf­wand noch Sinn?“, frag­ten wir uns. „Bes­ser, wir hät­ten eine Au­ßen­stel­le in der Nähe des Gewerbeparks!“

An­dré Ker­kow: Aus för­der­recht­li­chen Grün­den war es not­wen­dig, das Grund­stück nicht zu kau­fen, son­dern zu mie­ten. Als ers­tes fiel uns un­ser heu­ti­ger Stand­ort am Ader­luch ins Auge. Aldi zog dort ge­ra­de aus, die an­de­ren Miet­par­tei­en ver­blie­ben vor Ort. Das Ge­bäu­de ver­füg­te über eine LKW-Zu­fahrt, war eben­erdig, die Bus­hal­te­stel­le vor der Haus­tür, Frie­sen wie Quel­le-Au­ßen­la­ger in der Nähe. Am Ende sa­hen wir von der An­mie­tung auf­grund der vie­len an­de­ren Miet­par­tei­en ab.

Als zwei­ter mög­li­cher Stand­ort kam eine ehe­ma­li­ge Net­to-Fi­lia­le in Eden ins Spiel. Auch die­ses Ob­jekt ver­war­fen wir. Da fiel mir ei­nes Sonn­tags im An­non­cen-Teil des Mär­kers die in Kür­ze an­ste­hen­de Zwangs­ver­stei­ge­rung des Grund­stücks Hei­de­ring 20 ins Auge. Ich kann­te es aus mei­ner vor­he­ri­gen Be­rufs­tä­tig­keit und dach­te so­fort: „Das wäre der ganz gro­ße Wurf!“

An­dern­tags er­zähl­te ich Herrn Hoh­berg und Herrn Lau von mei­ner Ent­de­ckung. „Herr Ker­kow, da fah­ren wir jetzt hin!“, ent­schied der Werkstattleiter.

Un­ter­wegs brach­te ich den bei­den mei­ne Vi­sio­nen nahe, al­les an­de­re sa­hen sie mit ei­ge­nen Au­gen. Die Ver­stei­ge­rung war in 2 Wo­chen, das Min­dest­ge­bot be­trug 390.000 Euro. „Wir müs­sen mit Ca­ri­tas-Ge­schäfts­füh­rer Herrn Voll­mar spre­chen!“, be­fand Herr Lau und rief die­sen um­ge­hend an. An­schlie­ßend ließ er mich wis­sen: „Kom­men Sie mit, wir fah­ren zu Herrn Voll­mar nach Ber­lin! Er ist krank, wir sol­len zu ihm nach Hau­se kommen.“

Hel­mut Voll­mar war sei­ner­zeit un­ter an­de­rem Ge­schäfts­füh­rer der Ca­ri­tas-Kran­ken­hil­fe, vom Mal­te­ser­werk, un­ser Ge­schäfts­füh­rer der Ca­ri­tas- Fa­mi­li­en- und Ju­gend­hil­fe und ins­ge­samt eine Grö­ße in der bun­des­deut­schen Ca­ri­tas – ein cha­ris­ma­ti­scher Mann der Tat. Alle er­starr­ten ehr­furchts­voll, wenn er den Raum betrat.

Es war ein ver­reg­ne­ter Tag, als wir ihn zu Hau­se be­such­ten. Krank­heits­be­dingt im Mor­gen­man­tel, lud uns Herr Voll­mar zu ei­ner Tas­se Tee in sein Er­ker­zim­mer. „Er­zäh­len Sie mal!“, er­öff­ne­te er das Ge­spräch. Herr Lau und Herr Hoh­berg deu­te­ten auf mich, und ich leg­te los. Ich zeig­te ihm den Ar­ti­kel im Mär­ker und ver­such­te ihm die Vi­si­on der neu­en Au­ßen­stel­le mit Wor­ten so zu be­schrei­ben, dass er eine Vor­stel­lung be­kam. 25 Mi­nu­ten spä­ter er­hob sich Herr Voll­mar und sag­te: „Jungs, das ma­chen wir! Die Ca­ri­tas-Kran­ken­hil­fe kauft das Ob­jekt, und wir ver­mie­ten es an euch!“

Spä­ter er­fuh­ren wir, ein Mit­be­wer­ber woll­te ein Au­to­haus draus ma­chen. Die Ca­ri­tas be­hielt aber dank Hel­mut Voll­mars En­ga­ge­ment die Ober­hand – und wir ka­men zu un­se­rem Wunsch-Ob­jekt Hei­de­ring 20. Hier nun soll­ten so­wohl die ver­ei­nig­te De­mon­ta­ge, als auch der spä­te­re Fak­tor C ihre Hei­mat fin­den. Die Ar­bei­ten konn­ten beginnen …