Online-Reporterin Vanessa Verderber im Gespräch mit Katharina Riedel
Ich finde Katharina sehr nett. Sie hat immer ein offenes Ohr für alle und ist meiner Meinung nach auch sehr stark. Stets setzt sie sich für die Menschen ein, die Unterstützung brauchen. Nun sagte ich mir: Ich interviewe sie einfach mal:
Was führte Dich zur Caritas-Werkstatt?
Dazu muss ich etwas ausholen. In Werkstätten gearbeitet habe ich schon länger. Ich absolvierte mein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Werkstatt in Sachsen. Danach studierte ich in Bayern Soziale Arbeit und mir war klar: Ich möchte weiterhin in Werkstätten tätig sein. Nach dem Studium zog ich nach Berlin und schaute mich nach Jobs um. Zufällig entdeckte ich, dass die Caritas-Werkstatt Oranienburg eine Stelle im Jobcoaching neu ausgeschrieben hatte. Ich bewarb mich – und erst, als ich zum Bewerbungsgespräch fuhr, merkte ich: Oranienburg liegt ganz schön weit draußen!
Wie kamst Du schließlich in die Werkstatt-Leitung?
Herr Lau und Herr Schulz machten das eine kurze Zeit zu zweit. Dabei merkten sie, dass es gut ist, wenn in der Leitung alle Perspektiven der Werkstattleitung vertreten sind und es auch eine Stimme gibt, die sich vor allem für die Belange der Beschäftigten verantwortlich fühlt. Und grundsätzlich halte ich es immer für wichtig und gut, wenn in Leitungsteams Männer und Frauen zusammenarbeiten.
Für welche Tätigkeit in der Leitung bist Du speziell zuständig?
„Bildung und Soziales“ steht an meiner Tür. Im Unterschied zu den Arbeitsschwerpunkten von Herrn Lau und Herrn Schulz dreht sich meine Tätigkeit nicht so sehr darum, dass Aufträge reinkommen oder die Prozesse und Maschinen laufen, sondern dass es den Menschen hier gut geht.
Ist Leitungsarbeit manchmal sehr anstrengend?
Ich glaube, jede Aufgabe kann anstrengend sein. Überall gibt es Phasen, die wir als sehr herausfordernd empfinden. Ich glaube nicht, dass ein Chef oder eine Chefin mehr Stress haben als andere.
Leitungsarbeit ist in meinen Augen aber schon eine andere Sache.
Das hängt viel mit der jeweiligen Person zusammen. Wie wichtig ist mir meine Aufgabe, wie verantwortungsvoll arbeite ich? Wir alle erfüllen wichtige Aufgaben, auch Ihr als Beschäftigte. Ich denke da zum Beispiel an die Cantina. Dort stehen mittags viele Menschen hungrig vor dir, und du wirst vielleicht angepflaumt, wenn es mal nicht schnell genug geht. Das ist ganz sicher anstrengender als so manche Leitungstätigkeit.
Was machst Du in Deiner Freizeit?
Das veränderte sich zuletzt mit meiner Umgebung. Bis 2023 wohnte ich in Berlin mit all seinen kulturellen Angeboten. Jetzt lebe ich in Kyritz, quasi mitten im Wald am See. Diesen Sommer belegte ich beispielsweise einen Anfängerkurs im Ruderverein, und wir haben einen Hund.
Apropos, bist Du auch so ein großer Tierfreund wie ich? Ich liebe Tiere sehr und glaube, wir können eine Menge von ihnen lernen.
Das glaube ich auch. Ich mag vor allem Hunde, mehr noch als Katzen. Ja, ich bin ein Hunde-Typ, weil sie dir ganz ungefiltert ihre Liebe schenken. Manche Tiere, so zum Beispiel Spinnen oder Schlangen, brauche ich nicht in meiner unmittelbaren Nähe.
Ich habe Angst vor Wespen und versuche, ihnen gegenüber ruhig zu bleiben, so nach dem Motto: Ich lass dich in Ruhe – und du mich auch.
Genau, nennen wir es friedliche Koexistenz. Hast Du einen Hund?
Leider nicht. Mein Arbeitstag ist lang, und Hunde mögen es nicht, allein zu sein. Was für einen Hund hast Du?
Eine Mischung aus Beagle, das ist ein eher sturer, dickköpfiger Jagdhund – und Mops, der eher Richtung Schoßhund geht. Gefühlt ist er immer auf Nahrungssuche.
Soll sich deiner Meinung nach innerhalb der Werkstatt etwas ändern? Falls ja, was?
Zu uns kommen immer mehr Menschen mit sehr hohem Förderbedarf. Zum anderen haben wir Beschäftigte, die eine Ausbildung machen, auf den ersten Arbeitsmarkt wollen. Ich wünsche mir, dass wir für alle Möglichkeiten finden.
Raus aus der Werkstatt? Davor hab‘ ich Angst.
Das musst Du nicht. Für manche ist es ein guter Schritt, für andere nicht oder noch nicht.Manchmal hilft es, sich nicht so sehr zu belasten mit dem, was irgendwann einmal sein wird. Als Du zu uns kamst, wusstest Du ja auch nicht, was Dich hier erwartet.Damals hättest Du Dir sicher nicht zugetraut, Frauenbeauftragte zu werden. Sich selbst Dinge zuzutrauen ist das eine, aber mit Deiner Wahl siehst du: Auch andere geben Dir ihr Vertrauen!
Okay, was ist Dein zukünftiges Ziel in der Werkstatt?
Mein großes Ziel ist nach wie vor, dass die Werkstatt ein Ort bleibt, an den die Beschäftigten gern zur Arbeit kommen. Ein Ort, an dem Ihr Euch sicher fühlt, Euch entwickeln könnt, Selbstbewusstsein tankt. Jeder kann mit seinen Aufgaben wachsen, hat aber auch die Chance, eigene Grenzen zu akzeptieren. Das ist der große Vorteil einer Werkstatt.
Bist Du mit Deiner Arbeit zufrieden?
Ich mag es, dass ich hier viele Dinge bewegen und Projekte verfolgen kann, die mir am Herzen liegen, zum Beispiel die Frauenbeauftragten. Ich genieße die Freiheit, so etwas mit zu entwickeln, und ich genieße die vielen Menschen um mich herum.
Hast Du Geschwister? Wenn ja, wie viele? Ich hab eine Schwester und drei Brüder.
Ich habe einen „kleinen“ Bruder, der vier Jahre jünger ist als ich. Er ist Fußballer von Beruf, dafür hats bei mir nicht gereicht.
Ich spiele übrigens Rugby.
Stimmt! Ich bin gerade dabei, das nächste One Billion Rising mit zu organisieren, eine Tanzdemonstration, um Frauen stark zu machen. Vielleicht lade ich dazu Deinen Rugbyclub ein?
Warum nicht? Fragen kostet nichts. Gibt es etwas aus Deiner Kindheit, was Dich besonders prägte?
Ich wuchs quasi in einem Mehrgenerationenhaus auf. Meine Großeltern waren für mich sehr wichtige Menschen. Es prägte mich, dass sie in meiner Kindheit da waren. Mir gefiel das gegenseitige Verständnis, dass wir uns gegenseitig halfen. Vielleicht wurde ich auch deshalb Sozialarbeiterin? Meine Oma war eher still, hatte aber alles im Griff. Ich bewundere diese Frauen, die noch den Zweiten Weltkrieg und viele schlimme Dinge erlebten. Sie konnten selten selbstbestimmt leben. Aber sie ließen sich nicht unterkriegen und mussten hart arbeiten. Von diesen Frauen können wir eine Menge lernen. Ich glaube, auch deshalb setze ich mich heute gern für die Selbstbestimmung und Gleichberechtigung von Menschen ein.
Liebe Katharina, ich danke Dir für das Gespräch.
Auch ich danke Dir für unser Gespräch, liebe Vanessa. Dein Kompliment vom Anfang kann ich nur zurückgeben. Ich finde es stark, was Du Dich inzwischen alles traust.