Zu­sam­men mach­ten wir ei­nen gu­ten Job

6. Oktober 2026 | Logbuch | 0 Kommentare

On­line-Re­por­ter Mi­cha­el Ben­ter in­ter­viewt Ste­fan Latotzke

Wo hast du ge­ar­bei­tet, be­vor du zur Ca­ri­tas kamst?

Ich durch­lief vie­le Be­trie­be. Als ge­lern­ter Au­to­schlos­ser re­pa­rier­te ich LKWs, PKWs, Trak­to­ren oder Hän­ger. Im Tief­bau fuhr ich Rad­la­der, ver­lud Ab­was­ser­roh­re oder Te­le­fon­lei­tun­gen, ver­kauf­te Werk­zeu­ge und Ma­te­ria­li­en. Ich schweiß­te Tei­le für den ICE oder ko­or­di­nier­te im Rei­fen-Er­neue­rungs­werk Ora­ni­en­burg Roh­stof­fe und Ma­te­ria­li­en für die Pro­duk­ti­on. Zu­letzt ar­bei­te­te ich zwei Jah­re bei Orafol.

Wie hast du die Ca­ri­tas-Werk­statt ent­deckt und wie lan­ge bist du schon hier?

Ir­gend­wann woll­te ich nicht mehr in Schich­ten ar­bei­ten – und wur­de ge­fragt, ob ich in der Ca­ri­tas-Werk­statt an­fan­gen möch­te. Dort such­ten sie je­man­den für Rad & Tat. Im zwei­ten Ge­spräch frag­te mich Herr Lau, ob ich mir auch vor­stel­len kann, am Ader­luch zu ar­bei­ten. Sie be­nö­tig­ten dort drin­gend zwei Leu­te im För­der­be­reich. Wir Grup­pen­lei­ter ge­hen da­hin, wo wir ge­braucht wer­den. Ok­to­ber 2020 fing ich an – und blieb bis heu­te am Stand­ort Aderluch.

Ich lern­te Dich in der Co­ro­na-Zeit ken­nen, als ich ein hal­bes Jahr mit mei­ner WG vom Va­len­ti­nen­hof bei Dir im Ader­luch ar­bei­te­te. Er­in­nerst Du Dich noch an die Zeit mit uns, an Dei­ne Rasselbande?

Stimmt, so nann­te ich Euch, oder auch „mei­ne Ban­di­ten“. Et­li­che von Euch zeig­ten sich an­fangs eher skep­tisch und vor­sich­tig. Ihr wohn­tet zu­sam­men, und nun saht Ihr Euch dazu täg­lich auf Ar­beit, das war si­cher nicht einfach.

Mir ging es ähn­lich. Ich war erst ein Vier­tel­jahr am Ader­luch. Kaum hat­te ich mich hier ein we­nig ein­ge­ar­bei­tet, da kamt Ihr: von ei­nem Tag auf den an­de­ren 24 neue Leu­te. Ich muss­te euch alle ganz schnell ken­nen­ler­nen, aber ich den­ke, wir fan­den gut zu­ein­an­der. Hat­ten wir mal kei­ne Ar­beit, spiel­ten wir was oder gin­gen spa­zie­ren. Al­ler­dings hat­ten wir vor al­lem durch die Mas­ken jede Men­ge zu tun. Be­son­ders ge­fiel mir, dass ihr zum Schluss alle so gut zusammenhieltet.

Konn­test Du Dich dar­auf vor­be­rei­ten, dass wir bei Dir ar­bei­ten, oder kam das für Dich ganz spontan?

Ich wuss­te es zwei oder drei Tage vor­her. Viel Zeit blieb also nicht. We­gen der An­ste­ckungs­ge­fahr soll­tet Ihr an ei­nem Stand­ort zu­sam­men­blei­ben. Ich den­ke, es war die rich­ti­ge Ent­schei­dung un­se­rer Leitung.

Ich ar­bei­te­te mit Axel Lan­ge und Mi­cha Brock an der chi­ne­si­schen Ma­schi­ne zum Mas­ken-Ver­pa­cken. Wie kam es dazu, dass ich in der Mit­te saß, auf­pas­sen und auf Stopp drü­cken soll­te, wenn die Ma­schi­ne mal wie­der bockte?

Du woll­test un­be­dingt an der Ma­schi­ne ar­bei­ten! Also ließ ich Dich ran, zu­erst hin­ten, als­dann an den an­de­ren Po­si­tio­nen. Da­bei zeig­test du mir, dass Du es kannst! Ich muss­te schließ­lich dar­auf ver­trau­en kön­nen, dass Du Dich bei Dei­ner Ar­beit nicht ge­fähr­dest. Du be­kamst es wun­der­bar hin!

Als ich das hal­be Jahr bei Dir ar­bei­te­te, kam bei En­ri­co Sach­se von der Wer­be­tech­nik der Auf­trag rein, Hal­te­stel­len­schil­der zu be­kle­ben. War­um frag­test Du mich, ob ich En­ri­co da­bei unterstütze?

Ge­nau wie wir Fach­kräf­te ar­bei­tet auch Ihr dort, wo ihr ge­braucht wer­det. Du warst ver­traut mit der Ma­te­rie, also frag­ten wir dich. Ge­ne­rell ar­bei­ten wir in der Werk­statt Grup­pen-über­grei­fend und hel­fen ein­an­der gegenseitig.

Und war­um durf­te ich in der Co­ro­na-Zeit zu­sam­men mit Ste­phan Schnei­der die Tür der Haupt­werk­statt bekleben?

Auch hier lau­tet die Ant­wort: Weil du es kannst! War­um soll­te es ein an­de­rer tun? Das war schließ­lich dei­ne an­ge­stamm­te Arbeit.

Als der nor­ma­le Be­trieb wie­der be­gann und wir in un­se­re al­ten Be­rei­che zu­rück­kehr­ten, be­kamst Du da neue Auf­ga­ben oder führ­test du die al­ten weiter?

Als ihr weg wart, gab es gro­ße Ver­än­de­run­gen. Der Be­darf an För­der­plät­zen stieg, neue B.Plus-Gruppen ka­men hin­zu. Das er­for­der­te bau­li­che Ver­än­de­run­gen. Wir brauch­ten mehr Pfle­ge­bä­der, Um­klei­den, Platz für Rol­li­fah­rer. Mitt­ler­wei­le sind wir voll am Limit.

Ge­ne­rell ha­ben wir im­mer wie­der neue Kun­den, da­durch kom­men ste­tig neue Auf­trä­ge rein. Über­haupt ver­su­chen wir, dass Ihr im­mer mal et­was an­de­res macht, da­mit es nicht lang­wei­lig wird. Die Ar­beit hier soll ein Teil Eu­res Le­bens sein, der Euch Freu­de bereitet.

Wel­che Auf­ga­ben hast Du jetzt?

Un­ter an­de­rem ver­tei­len wir Ge­mein­de­brie­fe in Zehlen­dorf und Ora­ni­en­burg, auch mit an­de­ren Grup­pen. Weil wir zei­gen wol­len, was Ihr al­les macht, ge­hen wir in die Öf­fent­lich­keit. Mit den An­woh­nern ins Ge­spräch zu kom­men, ist wunderbar.

Zum Schluss möch­te ich mich bei Dir be­dan­ken, dass Du da­mals mei­nen Kol­le­gen Axel bei sei­nem Ar­beits­un­fall so­fort ge­hol­fen hast und mit ihm zum Durch­gangs­arzt gingst.

Das war ein Schlüs­sel­mo­ment, ist aber kein Grund, dan­ke zu sa­gen. Je­den Tag un­ter­stüt­zen Men­schen an­de­re Men­schen – und ich er­wähl­te das zu mei­nem Be­ruf. Am Ende ging al­les gut. Axel und ich ge­wan­nen gro­ßes Ver­trau­en zueinander.

Wir alle ha­ben viel ge­lernt, ge­lacht, und zum Ab­schied gab‘s auch ein paar Trä­nen – also war wohl nicht al­les schlecht. Der Ab­schied von Euch fiel mir nicht leicht, es war eine schwie­ri­ge, aber schö­ne Zeit. Es brauch­te Ver­trau­en und die Be­reit­schaft, sich auf­ein­an­der ein­zu­las­sen, ge­nau wie den Mut, sich selbst et­was zu­zu­trau­en. Ihr wart ein gu­tes Team!

Das sehe ich auch so. Ich hab üb­ri­gens un­ser Grup­pen­fo­to noch

Ich auch!

Aktuelle Logbuch-Beiträge

„Dan­ke für die­sen gu­ten Morgen“

„Dan­ke für die­sen gu­ten Morgen“

Online-Reporterin Michaela Senf berichtet vom Erntedankfest am Aderluch Es gab eine Andacht, und alles war herbstlich geschmückt. Unsere Mais-Deko gehörte ebenso dazu wie die Strohballen, neben denen wir Fotos machten. Wir saßen zusammen, aßen Kuchen und sangen....

mehr lesen
Wir ler­nen täg­lich dazu

Wir ler­nen täg­lich dazu

Online-Reporterin Sarah Stoll befragt Fachkraft Andrea Bloch             Was hast Du vor Deiner Zeit in der Werkstatt gemacht? Ich war Leiterin des Betriebsrestaurants der BMW-Niederlassung in Berlin.             Und wie wurdet Du auf unsere Caritas-Werkstatt...

mehr lesen
Ein lus­ti­ger Typ kommt zu uns

Ein lus­ti­ger Typ kommt zu uns

Annett Nehls und Michael Benter befragen Andreas Hirchert Michael: Andreas ist immer lustig, immer gut drauf. Er gestaltete viel um im Raum, hat immer Mugge an. Hat jemand ein Problem, nimmt er sich sofort Zeit dafür. Er nennt mich Herr Bürgermeister, das ist unser...

mehr lesen

Kommentare zum Beitrag

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

ALLES, AUSSER GEWÖHNLICH.