Werk­stät­ten dür­fen kei­ne Ein­bahn­stra­ße sein

14. Sep 2017 | Pres­se, Pres­se 2017 | 0 Kom­men­ta­re

Von Hei­ke Bergt | Mär­ki­sche All­ge­mei­ne Zeitung

Auf dem “Cam­pus Q” wer­den Ge­han­di­cap­te jetzt auch für Jobs auf dem ers­ten Ar­beits­markt vor­be­rei­tet – 400 Mit­ar­bei­ter fei­er­ten ges­tern das Som­mer­fest der Ca­ri­tas im St. Johannesberg

Ora­ni­en­burg. Kat­rin De­witz aus Neu­lö­wen­berg fer­tig an je­dem Ar­beits­tag La­bor­röhr­chen für das Un­ter­neh­men Ther­mo Fi­sher in Hen­nigs­dorf. Und der Hen­nigs­dor­fer Tho­mas Stolz nimmt An­las­ser und Au­to­licht­ma­schi­nen für die Fir­ma Frie­sen in Ora­ni­en­burg aus­ein­an­der. Ges­tern aber nicht. Ges­tern fei­er­ten die rund 400 Mit­ar­bei­ter der Be­hin­der­ten­werk­stät­ten der Ca­ri­tas an den drei Stand­or­ten St. Jo­han­nes­berg Ber­li­ner Stra­ße, Fac­tor C im Ge­wer­be­park Am Hei­de­ring und im Ader­luch ihr jähr­li­ches Som­mer­test, das In­ter­es­sier­te zu­gleich zum Tag der of­fe­nen Tür ein­lud. Und sie spiel­ten vol­ler In­brunst in der Trom­mel­grup­pe, die wahr­lich nicht zu über­hö­ren war. Eva-Ma­ria Gö­bel, die die be­glei­ten­den An­ge­bo­te in den Be­hin­der­ten­werk­stät­ten macht, hat­te die Sam­ba-Trom­mel­grup­pe für den Fest­um­zug zur 800-Jahr­fei­er ge­grün­det. Seit­dem wird sie im­mer wie­der zu neu­en Ge­le­gen­hei­ten, wie dem Som­mer­test, zu­sam­men­ge­stellt. Zehn Frau­en und Män­ner hat­ten Lust dar­auf, mal so rich­tig auf die Pau­ke zu hau­en: “Sie lie­ben das Kraft­vol­le dar­an, dass sie sich mal rich­tig aus­las­sen kön­nen, aber auch das Ge­mein­schafts­ge­fühl beim Spiel und das tol­le Feed­back von den Zu­hö­rern”, so Eva-Ma­ria Gö­bel, die un­ter an­de­rem auch ei­nen Werk­statt­chor und eine In­stru­men­tal­grup­pe lei­tet. Die Tromm­ler be­glei­te­ten ges­tern vor al­lem laut­stark die Aus­zeich­nung der Mit­ar­bei­ter, die zehn, 15, 20 oder 25 Jah­re in den Werk­stät­ten ar­bei­ten. Vol­ler Stolz stan­den sie auf der Büh­ne und im Konfettiregen.

Von Be­ginn an ist Ora­fol der größ­te Auf­trag­ge­ber der Werk­stät­ten. Seit 26 Jah­ren. Die Frau­en und Män­ner stel­len Farb­fä­cher und Farb­kar­ten und “in­zwi­schen die kom­plet­ten Wer­be­mit­tel für Ora­fol her”. Und das in bes­ter Qua­li­tät. Beim jüngs­ten Qua­li­tätscheck wur­de das Un­ter­neh­men Be­hin­der­ten­werk­statt als “A‑Lieferant” ein­ge­stuft, be­rich­tet Werk­statt­lei­ter Chris­toph Lau nicht ohne Stolz. 60 Be­schäf­tig­te ar­bei­ten al­lein im Auf­trag des Folienherstellers.

In­zwi­schen aber auch für Ta­ke­da, die Ora­ni­en­bur­ger Ede­ka Märk­te, als As­sis­ten­ten in Pfle­ge­ein­rich­tun­gen und Ki­tas. Das ist Auf­ga­be des neu ent­stan­de­nen “Cam­pus Q”, er­klärt Chris­toph Lau. Man­cher brau­che die Ar­beit und die Si­cher­heit der Be­hin­der­ten­werk­statt eine Le­ben lang, aber nicht je­der. “Wir wol­len künf­tig die Be­schäf­tig­ten nicht nur für die Werk­statt qua­li­fi­zie­ren, son­dern auch für An­for­de­run­gen des ers­ten Ar­beits­mark­tes. Für die Mu­ti­gen und Leis­tungs­fä­hi­ge­ren, die die Werk­statt nur als Sprung­brett neh­men. Die Werk­statt darf kei­ne Ein­bahn­stra­ße sein.” Sie er­fah­ren in der Werk­statt die prak­ti­sche und durch eine neu ein­ge­stell­te Leh­re­rin die theo­re­ti­sche Aus­bil­dung. “So nah wie mög­lich an der klas­si­schen, dua­len Aus­bil­dung”, so Lau. Job-Coach Alex­an­der Pläp sucht sol­che Job-Au­ßen­stel­len für die Ca­ri­tas. Für Ines Krü­ger ha­ben sie sie schon ge­fun­den. Sie sitzt seit Juli stun­den­wei­se an der Kas­se des Ede­ka Mark­tes, Sach­sen­hau­se­ner Stra­ße. Ein Job, den sie im­mer gern wollte.