Mei­ne Werk­statt & ich (Fol­ge 5)

2. April 2024 | Logbuch | 0 Kommentare

An die­ser Stel­le er­zäh­len in nächs­ter Zeit je­den Tag Be­schäf­tig­te aus Ih­rem Ar­beits­all­tag in der Ca­ri­tas-Werk­statt. Heu­te: Kris­tin Jung

Als ich Pro­ble­me mit der Psy­che be­kam, war mir die Kunst ein wich­ti­ges Druck­ven­til. In der Ta­ges­kli­nik be­gann ich, mich nä­her mit Ton zu be­schäf­ti­gen. Po­ren­be­ton wie­der­um ent­deck­te ich durch ein You­Tube-Vi­deo. Vom Haus­bau mei­ner El­tern la­gen noch ein paar Ytong-Stei­ne her­um, an ih­nen pro­bier­te ich mich aus. Da­bei kann ich wun­der­bar ab­schal­ten, statt er­geb­nis­los her­um zu grübeln.

Wie wohl je­der Mensch stre­be ich da­nach, Re­spekt von an­de­ren zu be­kom­men. Ich emp­fin­de es als An­er­ken­nung, wenn sich je­mand über das freut, was ich da ma­che. Sehr gern hel­fe ich an­de­ren Men­schen, selbst krea­tiv zu wer­den. Als ich 2019 im Be­rufs­bil­dungs­be­reich der Werk­statt an­fing, sag­ten sie: „Kannst du mitt­wochs ei­nen Krea­tiv-Nach­mit­tag machen?

Ich konn­te: Zu­sam­men filz­ten wir Ta­schen, ge­stal­te­ten Kork­un­ter­set­zer und vie­les mehr. Wir ver­kauf­ten un­se­re Er­zeug­nis­se auf Weih­nachts- und Os­ter­ba­sa­ren, oder die Leu­te nah­men das von ih­nen Ge­fer­tig­te mit nach Hause.

Seit Ja­nu­ar 2023 bin ich am Hei­de­ring in der Mon­ta­ge. Auch hier brin­ge ich mei­ne Krea­ti­vi­tät zum Ein­satz. Be­schäf­tig­te und Fach­kraft ma­chen mit, pro­bie­ren sich aus. Von der Werk­statt be­ka­men wir Gel­der, nö­ti­ge Ma­te­ria­li­en zu kau­fen. Aus schlich­ten Mund­spa­teln vom Arzt bau­ten wir Scha­len und Ster­ne, die wir mit Lich­ter­ket­ten ver­sa­hen und auf eine Holz­schei­be mon­tier­ten. Die be­stück­ten wir mit Moos und an­de­ren Na­tur­ma­te­ria­li­en aus mei­nem Gar­ten. Aus ein­fa­chen Din­gen, die nichts oder we­nig kos­ten, tol­le Sa­chen zu fer­ti­gen, ist ei­nes mei­ner Ste­cken­pfer­de. Ich bin glück­lich, dass ich es auch hier „rei­ten“ und da­mit zei­gen kann, was sonst noch in mir steckt.

Das von un­se­ren Hän­den Ge­schaf­fe­ne ver­kauf­ten wir beim Tag der of­fe­nen Tür. Was nicht weg­ging, stell­ten wir auf ei­nen Wa­gen, lie­fen von Raum zu Raum und ver­kauf­ten un­se­re Wer­ke an die Kol­le­gen am Stand­ort. Am Ende wa­ren wir al­les los.

Seit Fe­bru­ar fer­ti­gen wir Os­ter­körb­chen und Ha­sen aus Draht. Auch hier­mit ha­ben wir hof­fent­lich vie­len Men­schen eine Freu­de be­rei­tet – und ganz ne­ben­bei uns selbst! Aus ei­ge­ner Er­fah­rung weiß ich. Krea­tiv sein ist Bal­sam für die Seele.

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