Ein lus­ti­ger Typ kommt zu uns

30. September 2026 | Logbuch | 0 Kommentare

An­nett Nehls und Mi­cha­el Ben­ter be­fra­gen An­dre­as Hirchert

Mi­cha­el: An­dre­as ist im­mer lus­tig, im­mer gut drauf. Er ge­stal­te­te viel um im Raum, hat im­mer Mug­ge an. Hat je­mand ein Pro­blem, nimmt er sich so­fort Zeit da­für. Er nennt mich Herr Bür­ger­meis­ter, das ist un­ser Späßchen.

An­nett: An­dre­as hat den Rund­um-Blick, guckt nicht nur in sei­nen Raum, son­dern auch in an­de­re Ar­beits­räu­me. Er fragt uns nicht nur nach der Ar­beit, son­dern auch, was sonst so los ist. Man­che von uns kom­men da­durch bes­ser aus sich raus. Ge­ne­rell war­tet er nicht, bis je­mand zu ihm kommt, son­dern geht auch auf uns zu. Nun un­se­re Fragen:

Wie hast Du die Werk­statt ent­deckt? Kann­test Du sie schon vorher?

Ich bin ge­lern­ter Bäcker/Konditor und schloss 2009 be­rufs­be­glei­tend eine Aus­bil­dung zum Hei­ler­zie­hungs­pfle­ger ab. Fast 25 Jah­re ar­bei­te­te ich im För­der­be­reich ei­nes an­de­ren Trä­gers. Aus pri­va­ten Grün­den streb­te ich ei­nen be­ruf­li­chen Wech­sel an. Zu­fäl­lig las ich die Stel­len­a­zei­ge der Ca­ri­tas-Werk­statt. Ich be­warb mich per Mail, er­hielt eine Ein­la­dung zum Ge­spräch – seit­dem bin ich hier.

Bist Du glück­lich, bei uns zu arbeiten?

Ich bin dank­bar, bei der Ca­ri­tas zu sein. Die Werk­statt war ein tol­ler Neu­an­fang. Am ers­ten Tag emp­fing mich Sö­ren: „Hier ist dei­ne Grup­pe, mach mal.“ Ich ging rein und sag­te: „Je­der klebt bit­te sei­nen Na­men mit Kle­be­band auf den Tisch, in 14 Ta­gen könnt ihr die wie­der ab­ma­chen.“ Da­nach hat­te ich sie alle im Kopf. In mei­nem hal­ben Jahr hier ist eine Men­ge pas­siert. Ich bin ge­kom­men, um zu bleiben.

Wo und wie be­rei­test Du Dich auf die Ar­beit vor?

So rich­tig vor­be­rei­ten kann man sich gar nicht, denn je­der Tag ist an­ders. Kom­me ich an, fah­re ich den Com­pu­ter hoch, tau­sche mich mit Ste­ve vom Shut­tle-Team aus und gu­cke, was an­liegt. Ich ver­su­che, mich in die Be­schäf­tig­ten rein­zu­ver­set­zen, am Ende sol­len alle glück­lich und zu­frie­den sein.

Wuss­test Du gleich an Dei­nem ers­ten Tag, was Du hier ver­än­dern möchtest?

Nein, es dau­er­te etwa eine Wo­che, bis wir was ver­än­dern konn­ten. Die Be­schäf­tig­ten ha­ben ih­ren All­tag, jede Ver­än­de­rung ist ein gra­vie­ren­der Ein­schnitt. Für mei­nen Schreib­tischwech­sel brauch­te ich fast ein hal­bes Jahr.

Wie kom­men Dir Dei­ne vie­len Ideen zu Ver­än­de­run­gen, die Du hier vor Ort umsetzt?

Ge­ne­rell kom­men mir alle Ideen abends im Bett, wenn ich mei­nen Tag reflektiere.

Kommst Du in dem von Dir um­ge­stal­te­ten Raum jetzt bes­ser klar?

Auf je­den Fall! Ich hab die Tür im Blick und kann nach drau­ßen gu­cken, die Son­ne se­hen. Vor­her saß ich qua­si hin­term Schrank.

Kommst du auch mal mit dem Fahr­rad zur Ar­beit oder im­mer nur mit dem Auto?

Meis­tens mit Auto oder Mo­tror­rad. Im Win­ter möch­te ich auch mal mit dem Zug von Zeh­de­nick bis Ora­ni­en­burg und von dort mit dem Fahr­rad her­fah­ren. Au­ßer­dem träu­me ich von ei­nem E‑Roller.

Wünschst du Dir mehr Auf­trä­ge für Dei­nen Be­reich, oder ist das so in Ordnung?

Zur Zeit freu­en wir uns über je­den klei­nen Auf­trag, aber feh­len sie, ist auch das nicht nur ver­kehrt. Ich kom­me bes­ser mit den mir an­ver­trau­ten Men­schen ins Ge­spräch und kann her­aus­be­kom­men, was sie sich wünschen.

Wie gehst du da­mit um, dass du bei uns mit Men­schen zu­sam­men­ar­bei­test, die eine Be­ein­träch­ti­gung haben?

An mei­nem ers­ten Tag am Hei­de­ring dach­te ich: Hier ar­bei­ten aber vie­le in der Ver­wal­tung! Vie­le von Euch hielt ich für Mit­ar­bei­ter. Als ich dann vom Shut­tle-Team aus Be­schäf­tig­ten er­fuhr, dach­te ich: Wol­len die mich ver­äp­peln? Es war ein him­mel­wei­ter Un­ter­schied zu mei­nem vor­he­ri­gen Job, die 25 Jah­re in der Pfle­ge. Auf je­den Fall macht es mir gro­ßen Spaß, mit euch zusammenzuarbeiten.

Du wur­dest hier ins kal­te Was­ser ge­schmis­sen und zeig­test dich als sehr an­pas­sungs­fä­hig, was wir als eine Stär­ke an­se­hen. Was emp­fin­dest Du als Dei­ne Stärken?

An­pas­sungs­fä­hig bin ich wohl wirk­lich. In­zwi­schen hab ich hier fast alle Ar­beits­be­rei­che durch, mir feh­len nur De­mon­ta­ge und Ver­wal­tung. Erst neu­lich war ich für zwei Tage in der Kü­che. Wir koch­ten zu­sam­men eine Sup­pe, und kei­ner mel­de­te sich hin­ter­her krank. (lacht) Als Bä­cker und Kon­di­tor ver­fü­ge ich über Küchenerfahrung.

Hast Du aus Dei­ner Sicht auch Schwächen?

Ich bin „et­was“ un­ge­dul­dig, das ist mei­ne to­ta­le Schwä­che. Als ich das ers­te Mal mit Easy Care zu tun hat­te, pro­bier­te ich viel aus und muss­te dann eine Men­ge wie­der lö­schen. Viel Hil­fe im Be­reich Com­pu­ter be­kam ich von un­se­rem Be­schäf­tig­ten Da­vid Kirsch.

Bei Dir läuft wie ge­sagt im­mer Mu­sik, was hörst Du denn am liebsten?

Al­les, aber am liebs­ten Ost­see­wel­le! Ich lie­be es, zu ver­rei­sen, sehr gern nach Mal­lor­ca, oder eben an die Ost­see. Die Ost­see­wel­le ist für mich die Ver­bin­dung zu Meer und Ur­laub, ob auf Ar­beit, im Auto oder zuhause.

Apro­pos, was machst Du in Dei­ner Frei­zeit, hast Du Hob­bys? Wir wis­sen: Du be­geis­terst Dich für Au­tos und Motorräder.

Ganz oben steht der Fuß­ball, ich be­glei­te­te und trai­nier­te mei­nen Sohn, bin bis heu­te als Co-Trai­ner tä­tig. Dann kom­men Ver­rei­sen, Au­tos und Mo­tor­rad. Nun kauf­te sich mein Sohn ein Haus. Das um- und aus­zu­bau­en ist für das nächs­te hal­be Jahr mein größ­tes Hob­by. Wir wol­len so viel wie mög­lich selbst ma­chen. Was du selbst ge­schaf­fen hast, siehst du mit an­de­ren Augen.

Kannst Du nach Dei­ner Ar­beit ab­schal­ten, die Ar­beit auf Ar­beit lassen?

Das lern­te ich in mei­nem Be­rufs­le­ben. Von der Werk­statt bis nach Hau­se fah­re ich mit dem Auto eine hal­be Stun­de. Ich dre­he die Mu­sik laut auf, das hilft mir, ab­zu­schal­ten. Im Som­mer neh­me ich das Ca­brio, da weht mir dazu or­dent­lich Wind um die Ohren.

Mi­cha­el: Ich möch­te Dir da­für dan­ken, dass Du mich un­ter­stützt hast. Auf je­den Fall ist es sehr lus­tig bei uns, seit­dem Du hier bist.

An­dre­as: Viel­leicht ver­ra­ten wir zum Schluss noch, wie ich auf Dei­nen Spitz­na­men kam. Bei uns in Zeh­de­nick war die Bür­ger­meis­ter­stel­le va­kant. Du kennst Hinz und Kunz, kommst mit je­dem ins Ge­spräch. Wür­dest Du Dich zur Wahl stel­len – mei­ne Stim­me hät­test Du!

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