20. Februar 2026 | Logbuch |
Online-Reporterin Martina Harnischmacher muss etwas über einen langjährigen Kollegen loswerden:
Komme ich um 7.00 Uhr in die Werkstatt, ist Steve schon hier. Sehen wir uns, erzählt er mir etwas über Fußball, oder was er so erlebte. Was die Arbeit angeht, behält er stets den Überblick. Jederzeit kannst Du ihn fragen: „Wie viele und welche Schrauben brauchen wir für Auftrag XYZ?“
Auch den aktuellen Bestand im Hochlager hat er im Blick und sagt Bescheid, sobald etwas nachbestellt werden muss. Anders als ich, merkt er sich jede Zahl, jede Schraubengröße. Nebenher sorgt er dafür, dass der Geschirrspüler geleert und das Geschirr weggestellt ist, kümmert er sich in allen Räumen um den Müll und weiß jederzeit, was wohin kommt.
Am PC druckt er die Etiketten, mit dem Hubwagen fährt er das Material an den jeweiligen Bestimmungsort. Weiß einer mal nicht weiter, ist Steve helfend zur Stelle.
Früher war er manchmal sehr gestresst und fragte: „Warum muss ich das immer machen?“
„Guck mal, Steve!“, erwiderte ich ihm dann, „du weißt genau, was wo und wie erledigt werden muss. Und jede Fachkraft weiß, dass sie sich auf dich verlassen kann. Du wirst gefragt, weil du es kannst!“
Nun aber ist es aller höchste Zeit, Steve für all das und noch viel mehr ein herzliches Dankeschön zuzurufen.
18. Februar 2026 | Logbuch |
Online-Reporterin Vanessa Verderber berichtet von einem besonderen Event:
Am 16 Februar 2026 fand das große Event One Billion Rising vor dem Schloss statt. Als ich auf dem Schlossplatz ankam, war der Aufbau bereits im vollen Gange. Dann gings los, und Frau Riedel hielt eine Begrüßungsansprache. Anschließend sprach die neue Bürgermeisterin zu uns. Dann teilte uns Frau Bonk die aktuellen Fallzahlen sexueller Belästigungen von Frauen und Mädchen mit.
Ich war dieses Jahr ganz besonders aufgeregt, da ich zusammen mit Angi Geißler und Andrea Seipelt auf der Bühne stand. Andrea und ich hielten ein Schild nach den anderen hoch, und Angi las die Fallzahlen für Frauen und Mädchen mit Behinderung vor.
Die Zahlen all dieser Übergriffe sind generell erschreckend hoch! Um zu verhindern, dass sie weiter steigen, setzten wir Frauen ein großes und eindeutiges Zeichen in einem gemeinsamen Tanz. Frau Mocke tanzte zweimal mit ihrer Tanzgruppe auf der Bühne vor, und alle machten richtig gut mit.
Für mich war dieses Event etwas ganz Besonderes. Durch den Song und die Choreographie fühle mich dadurch stark, dass wir das Ganze in dieser großen Gruppe gemeinsam performten. Wir Frauen können auch stark sein – und das sind wir! Das gute Gefühl ist: Ich bin nicht allein, wir sind nicht allein.
16. Februar 2026 | Logbuch |
Online-Reporterin Jalin Rosinska stellt sich vor:
Als ich 18 wurde, musste ich bei der Arche Noah ausziehen. Ich interessierte mich für die Wohngruppe Walburga im Valentinenhof in Schmachtenhagen. Dort konnte man aber nur einziehen, wenn man auch in der Caritas-Werkstatt tätig ist.
Nach einem Gespräch mit Frau Hirschfeld begann ich am Heidering ein Praktikum bei Stephan Schneider. Hier entgitterte ich unter anderem Folien. Als Antje Jarnack zu uns kam, übernahm sie die Neuen aus Stephans Gruppe, so auch mich.
Mit Antje arbeiteten wir viel im Garten, verpackten Kosmetikartikel oder Werbebriefe. Eigentlich wollte ich anschließend ein Praktikum in der Cantina machen, aber dann kam ich mit Jeffrey ins Gespräch. Er lud mich ein, ein Praktikum bei ihm in der Konfektionierung zu beginnen. Hier fühlte mich so wohl, dass daraus ein Dauerpraktikum wurde. Das hab ich längst abgeschlossen und mische seit einem Jahr hier im Arbeitsbereich mit.
Ich wollte gern Neues ausprobieren – und bekam die Chance dazu. So fahre ich mittlerweile im Shuttle mit, um zu helfen. Ich gucke, was wir wohin mitnehmen müssen und belade das Shuttle entsprechend. Außerdem organisiere ich am PC, dass wir zum Mittag alle unser Wunschessen bekommen. Gern möchte ich auch noch lernen, Material mit dem Hubwagen zu fahren, und das ist bestimmt noch nicht alles.
Ach ja, bei den Online-Reportern mische ich jetzt auch mit. Nachdem ich an einigen Artikeln mitwirkte und Recherche-Erfahrungen sammelte, ist hier mein erster eigener Artikel!
12. Februar 2026 | Logbuch |
Online-Reporterin Vanessa Verderber verrät, warum sie sich auf nächsten Montag freut:
Wir Frauenbeauftragten sind gerade dabei, das Event One Billion Rising vorzubereiten. Vielerorts soll unser gemeinsamer Tanz Frauen stärken und auf gegen uns gerichtete Gewalt aufmerksam machen. Andrea Seipelt und ich fertigten dazu Schilder an. Auf Andreas Schild ist unser Frauenbeauftragten-Logo zu sehen. Ich setzte auf meinem die Hilfe-Telefonnummer für Frauen grafisch in Szene. Dabei gab ich mir alle Mühe, dass es auch ja perfekt wird.
Diese Schilder präsentieren wir vor unserem Auftritt beim One Billion Rising am 16. Februar 2026 vor dem Oranienburger Schloss oben auf der Bühne. Auch die Bürgermeisterin wird anwesend sein und eine Rede halten, genau wie Frau Riedel und Frau Bonk.
Am Dienstag sahen uns wir uns vor Ort an, wo die Bühne steht und prüften, ob die Musik auch laut genug ist. Anschließend tauschten wir uns drinnen darüber aus, wie wir das Event gestalten. Ganz ehrlich, ich war noch nie zuvor im Schloss. Nun freue ich mich noch mehr auf nächsten Montag, ich werde darüber berichten.
10. Februar 2026 | Logbuch |
Online-Reporterin Martina Harnischmacher machte vor kurzem eine sehr wohltuende Erfahrung:
Eine Sonderaktion der aus personellen Gründen ausgefallenen Gesundheitstage wurde nun Ende Januar nachgeholt. Doreen Witt und Carmen Preuß, Zwei Gruppenleiterinnen aus dem Förderbereich, kamen zu uns in den Heidering. Sie hatten Decken und Matten, Handpan und Klangschalen dabei, dazu entspannende elektrische Lichter.
Wir konnten uns überlegen, ob wir sitzen oder liegen. Die meisten wollten letzteres, nur ich und eine Kollegin entschieden uns fürs Sitzen.
Carmen las uns etwas über Elfen vor, während Doreen die Handpan spielte. Ich konzentrierte mich mehr auf die Musik, andere auf die Elfen. Einig waren wir uns, dass uns das Ganze wunderbar entspannte und wir es sehr gern wiederholen möchten.
Doreen und Carmen freuten sich über unser positives Feedback. Unser Betriebsleiter Sören Neubert saß anfangs kurz mit dabei und war traurig, dass ihn ein Termin zum Verlassen des Raumes zwang.
Wir sagten Sören, dass wir das Ganze sehr gern hier am Heidering wiederholen möchten. Er war einverstanden, und nun hoffen wir, dass diese Veranstaltung schnell in unser Fortbildungsprogramm aufgenommen wird. Ein großes Danke an Carmen und Doreen!
9. Februar 2026 | Logbuch |
Online-Reporter Konstantin Reinhardt widmet sich einem wahrhaft dreckigen Thema:
In unserer Caritas-Werkstatt fällt jeden Tag jede Menge Müll an. Hausmüll, Wertstoffe und Papier werden bei uns natürlich getrennt entsorgt. Darum kümmern sich die Beschäftigten vom Internen Dienst. Sie leeren die Mülleimer in den Gruppenräumen und bestücken diese mit neuen Mülltüten. Außerdem füllen sie die Seifenspender und kümmern sich um die Sauberkeit. Den eingesammelten Müll bringen sie zur Müllsammelstelle.
Die befindet sich auf dem Gelände der Hauptwerkstatt, in der Nähe der Garagen und des Holz-Carports. In ihr wird alles nochmal ordentlich sortiert. Außerdem gibt es hier eine Abfallpresse, in welcher Rest- und Gewerbemüll zusammengepresst werden, (siehe Foto, links ist mein Finger, sorry). Das spart Platz.
Außerdem befinden sich dort eine Mulde für Altmetall und Schrott sowie eine weitere Mulde für Holzabfälle. Der Hausmüll aus den Zweigstellen Aderluch und Heidering wird mit einem LKW in die Hauptwerkstatt gebracht und dort ebenfalls gepresst.
Wie viel Müll die Caritas Werkstatt insgesamt produziert, hängt von den Arbeitsaufträgen ab. Unser Infrastrukturmanager Herr Möller verrät: Unsere Müllpresse presst etwa 7 bis 10 Tonnen Müll in drei Monaten! Papier & Pappe, Altmetall, Holz, Altbereifung und der gepresste Gewerbeabfall werden nach Bedarf abgeholt, Wertstoffe (Gelbe Tonne) sowie Speisereste wöchentlich.
Ich finde es gut, dass bei uns auf Mülltrennung geachtet wird. So helfen wir alle mit, die Umwelt zu schützen.
4. Februar 2026 | Logbuch |
Auch für morgen, 05.02.2026, warnt der Deutsche Wetterdienst in Oranienburg und Umgebung vor Glatteis auf Straßen und Gehwegen.
Die Caritas-Werkstatt hat wie gewohnt geöffnet. Die Fahrdienste sind unterwegs, es kann aber zu Verspätungen kommen.
Wer aufgrund der Wetterlage morgen nicht zur Werkstatt kommen kann, meldet sich früh bitte telefonisch oder per E‑Mail bei uns – und soweit zutreffend auch beim Fahrdienst. Die wetterbedingte Abwesenheit gilt dann als entschuldigt.
2. Februar 2026 | Logbuch |
Die Online-Reporterinnen und Reporter aus Hauptwerkstatt und Aderluch über eine besondere Kollegin:
Sigrid Schwarz arbeitete schon in der Werkstatt, als Marcel Teichmann hier als Zivi anfing. Ist irgendwo Not am Mann, hilft sie sofort. Gibt es Streit oder schlechte Stimmung, greift sie ebenfalls ein. Leider ist sie schon länger krank und hat schlimme Schmerzen. Aber auch Arthrose und Rheuma halten sie nicht davon ab, jeden Tag mit dem Rollator zum Aderluch zu laufen. Sigrid ist eben eine Kämpferfrau. Geht sie Ende Februar in Rente, werden viele von uns sehr traurig sein. Herzlich sagen wir schon jetzt danke für die schöne Zeit mit ihr:
Julian Hesse: Sigrid hat immer ein Grinsen zwischen den Wangen. Nie erlebte ich, dass sie schlechte Laune verbreitete, im Gegenteil: Du bekommst sofort bessere Laune, wenn du ihr begegnest.
Michaela Senf: Einmal kam sie rein und sagte: „Der Besen ist abgehauen, weil er bockig ist!“ Sie und ‚ihr‘ Besen brachten uns schon oft zum Lachen. Als ich ihr mal vorschlug: „Nimm ihn doch mal in die Hand!“, erwiderte sie: „Nee, mach ick nich, der beißt!“
Oder sie fragte: „Wo soll ich den Besen hinstellen?“
„Stell ihn da in die Ecke.“
„Nee, da steht er Erik im Weg und haut ihn!“
Manchmal möchte ich Sigrid einfach nur umarmen. Vielen von uns ist sie eine gute Freundin, die wir eigentlich gar nicht gehen lassen wollen.
Ina Krause: Als ich neu in die Küche am Aderluch kam, gab Sigrid mir Halt. Sie war diejenige, die mich unterstützte. Ich schätze ihre Liebe und Gutherzigkeit. Sigrid ist voller Leben, eine tolle Kollegin!
Erik Egler: Sigrid brachte uns oft zum Lachen. Sie ist glaub ich schon ein wenig traurig, dass sie Ende Februar in Rente geht.
Manuela Wroblewski: Nach dem, was ich hier über sie hörte, dachte ich, Sigrid sei eine Gruppenleiterin. Wie auch immer, um ihre Küken kümmert sie sich!
30. Januar 2026 | Logbuch |
Die Online-Reporterinnen der Hauptwerkstatt bedanken sich bei unserem Winterdienst:
Jeden Morgen vor Arbeitsbeginn sind derzeit Florian Tiepelmann, Matthias Jakobi, Dennis Rösner, Michael Kibellis und Thomas Stolt für unsere Sicherheit im Einsatz. Teilweise mit „schwerem Gerät“ beräumen sie das Gelände des St. Johannesbergs von der kalten weißen Wolkenware.
Philipp Focking, Clemens Bengsch und Matthias Dahlke wechseln sich wöchentlich als Gruppenleiter ab, unseren Winterdienst zu koordinieren. Über den Tag sorgen dann auch Nadja Meißgeier und alle anderen aus dem Gartenbereich vor allem von Hand dafür, dass wir uns auf dem Betriebsgelände sicher bewegen können.
Wir sind froh, dass wir Kollegen haben, die derzeit jeden Morgen noch früher aufstehen, damit wir nicht ausrutschen, uns nicht verletzen. Dafür nochmal unser herzlicher Dank.
28. Januar 2026 | Logbuch |
Werkstattleben am Heidering Teil 6: Online-Reporterin Martina Harnischmacher im Gespräch mit Jeffrey Fehst
Jeffrey: Um das Jahr 2011 bauten wir eine Fahrergruppe aus Werkstatt-Beschäftigten auf. Das war ein absolutes Novum, aber die Werkstattleitung unterstützte uns. Ich fungierte zunächst als Leiter unserer „Post-Runde“ – so genannt, weil wir auf ihr Briefe und andere Dokumente vom Heidering zur Hauptwerkstatt brachten, dasselbe retour.
Martina: Das Internet spielte noch nicht die Rolle von heute, und so nutzten wir unsere Post-Tour auch zur Weitergabe von Neuigkeiten und für persönliche Absprachen.
Jeffrey: Bald kamen diverse Liefer-Fahrten hinzu, auf denen wir unter anderem von Friesen gefertigte Lichtmaschinen und Anlasser an KFZ-Teile 24 nach Berlin auslieferten. Zu Bestzeiten waren wir mit Jürgen, Martina, Karin, Hendrik, Katja und Rosi sechs Stammfahrer, allesamt Werkstatt-Beschäftigte.
Martina: Wir waren uns immer einig, wer was fährt. Ich zum Beispiel belieferte gern Berlin, genau wie Rosi Kabzinski und Katja Nickel. Jürgen Wolf, auf dem Foto links zu sehen, transportierte das Mittagessen von der Hauptwerkstatt in den Heidering und zu unserer Außenstelle in Schmachtenhagen. Nicht lange, da chauffierten wir auch Beschäftigte und Mitarbeiter.
Die erste Zeit hatte unsere Truppe nur hinter der Garage ein kleines Räumchen. Wollten wir uns zwischen zwei Fahrten mit Jeffrey abstimmen, liefen wir zumeist neben ihm her, weil er auch für viele andere ein gefragter Gesprächspartner war. Ein Ohr am Telefon, das andere für uns, tigerte er übers Gelände, und du musstest schnell mitkriegen, was als nächstes wie zu tun ist.
Jeffrey: Zwischendurch absolvierte ich eine sonderpädagogische Zusatz-Qualifizierung. Als ich dort von alledem erzählte, sahen mich die anderen Lehrgangsteilnehmer mit großen Augen an: „Eine Fahrergruppe aus Beschäftigten – und das funktioniert?“
„Ja klar!“ Da waren sie auf einmal alle ganz still und staunten. Soweit ich weiß, sind wir bis heute weit und breit die einzige Werkstatt, bei der Beschäftigte eine solche Verantwortung übernehmen – seit nunmehr anderthalb Jahrzehnten!
27. Januar 2026 | Logbuch |
Online-Reporter Michael Benter besuchte den Ernährungstag in der Hauptwerkstatt
Ich gucke zum Feierabend immer auf unsere Informationstafel beim Caritas Wohnen. Dort stand neulich etwas vom Gesundheitstag in der Hauptwerkstatt am 21. Januar ab 14.15. Ich entschied: Da gehe ich hin!
Matthias Jakob, der Leiter vom Caritas Wohnen St. Johannesberg, war mit dabei, genau wie Anja Petras und Piroska Maròthi. Letztere eröffnete das Ganze mit einer kurzen Rede, dann gings los: Bei der ersten Station sollten wir erraten, wie viel Zucker in Coca-Cola, Twix, einem Slushy, Brot, Salami, Naturjoghurt mit 1,5 % Fett und Wasser ist. Die entsprechende Menge sollten wir jeweils in ein Glas füllen.
Ich überlegte eine Minute – und lag bei fast allen richtig. Dabei erfuhr ich: In einer großen Flasche Cola sind zum Beispiel 12 Stück Würfelzucker drin, im Joghurt immerhin noch drei, in der Salami nur ein Würfel.
An einer anderen Station puzzelten wir, die Bilder zeigten Obst, Gemüse und ungesunde Sachen. Anschließend sollten wir raten, was davon gesund ist und was nicht. An weiteren Stationen spielten wir Memory, errieten verschiedene Kräuter an ihrem Duft und erfühlten mit geschlossenen Augen Obst- und Gemüsearten.
Außerdem liefen wir mit einem Ball Slalom – und schnell wieder zurück. Mir unterlief bei alledem nur ein Fehler. Beim Riechen erkannte ich den Thymian nicht. Vielleicht könnte diese Veranstaltung auch mal an unseren anderen Standorten stattfinden – oder zum Johannesfest? Vielen Dank an alle, die sie möglich machten.
23. Januar 2026 | Logbuch |
Online-Reporterin Vanessa Verderber im Gespräch mit Katharina Riedel
Ich finde Katharina sehr nett. Sie hat immer ein offenes Ohr für alle und ist meiner Meinung nach auch sehr stark. Stets setzt sie sich für die Menschen ein, die Unterstützung brauchen. Nun sagte ich mir: Ich interviewe sie einfach mal:
Was führte Dich zur Caritas-Werkstatt?
Dazu muss ich etwas ausholen. In Werkstätten gearbeitet habe ich schon länger. Ich absolvierte mein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Werkstatt in Sachsen. Danach studierte ich in Bayern Soziale Arbeit und mir war klar: Ich möchte weiterhin in Werkstätten tätig sein. Nach dem Studium zog ich nach Berlin und schaute mich nach Jobs um. Zufällig entdeckte ich, dass die Caritas-Werkstatt Oranienburg eine Stelle im Jobcoaching neu ausgeschrieben hatte. Ich bewarb mich – und erst, als ich zum Bewerbungsgespräch fuhr, merkte ich: Oranienburg liegt ganz schön weit draußen!
Wie kamst Du schließlich in die Werkstatt-Leitung?
Herr Lau und Herr Schulz machten das eine kurze Zeit zu zweit. Dabei merkten sie, dass es gut ist, wenn in der Leitung alle Perspektiven der Werkstattleitung vertreten sind und es auch eine Stimme gibt, die sich vor allem für die Belange der Beschäftigten verantwortlich fühlt. Und grundsätzlich halte ich es immer für wichtig und gut, wenn in Leitungsteams Männer und Frauen zusammenarbeiten.
Für welche Tätigkeit in der Leitung bist Du speziell zuständig?
„Bildung und Soziales“ steht an meiner Tür. Im Unterschied zu den Arbeitsschwerpunkten von Herrn Lau und Herrn Schulz dreht sich meine Tätigkeit nicht so sehr darum, dass Aufträge reinkommen oder die Prozesse und Maschinen laufen, sondern dass es den Menschen hier gut geht.
Ist Leitungsarbeit manchmal sehr anstrengend?
Ich glaube, jede Aufgabe kann anstrengend sein. Überall gibt es Phasen, die wir als sehr herausfordernd empfinden. Ich glaube nicht, dass ein Chef oder eine Chefin mehr Stress haben als andere.
Leitungsarbeit ist in meinen Augen aber schon eine andere Sache.
Das hängt viel mit der jeweiligen Person zusammen. Wie wichtig ist mir meine Aufgabe, wie verantwortungsvoll arbeite ich? Wir alle erfüllen wichtige Aufgaben, auch Ihr als Beschäftigte. Ich denke da zum Beispiel an die Cantina. Dort stehen mittags viele Menschen hungrig vor dir, und du wirst vielleicht angepflaumt, wenn es mal nicht schnell genug geht. Das ist ganz sicher anstrengender als so manche Leitungstätigkeit.
Was machst Du in Deiner Freizeit?
Das veränderte sich zuletzt mit meiner Umgebung. Bis 2023 wohnte ich in Berlin mit all seinen kulturellen Angeboten. Jetzt lebe ich in Kyritz, quasi mitten im Wald am See. Diesen Sommer belegte ich beispielsweise einen Anfängerkurs im Ruderverein, und wir haben einen Hund.
Apropos, bist Du auch so ein großer Tierfreund wie ich? Ich liebe Tiere sehr und glaube, wir können eine Menge von ihnen lernen.
Das glaube ich auch. Ich mag vor allem Hunde, mehr noch als Katzen. Ja, ich bin ein Hunde-Typ, weil sie dir ganz ungefiltert ihre Liebe schenken. Manche Tiere, so zum Beispiel Spinnen oder Schlangen, brauche ich nicht in meiner unmittelbaren Nähe.
Ich habe Angst vor Wespen und versuche, ihnen gegenüber ruhig zu bleiben, so nach dem Motto: Ich lass dich in Ruhe – und du mich auch.
Genau, nennen wir es friedliche Koexistenz. Hast Du einen Hund?
Leider nicht. Mein Arbeitstag ist lang, und Hunde mögen es nicht, allein zu sein. Was für einen Hund hast Du?
Eine Mischung aus Beagle, das ist ein eher sturer, dickköpfiger Jagdhund – und Mops, der eher Richtung Schoßhund geht. Gefühlt ist er immer auf Nahrungssuche.
Soll sich deiner Meinung nach innerhalb der Werkstatt etwas ändern? Falls ja, was?
Zu uns kommen immer mehr Menschen mit sehr hohem Förderbedarf. Zum anderen haben wir Beschäftigte, die eine Ausbildung machen, auf den ersten Arbeitsmarkt wollen. Ich wünsche mir, dass wir für alle Möglichkeiten finden.
Raus aus der Werkstatt? Davor hab‘ ich Angst.
Das musst Du nicht. Für manche ist es ein guter Schritt, für andere nicht oder noch nicht.Manchmal hilft es, sich nicht so sehr zu belasten mit dem, was irgendwann einmal sein wird. Als Du zu uns kamst, wusstest Du ja auch nicht, was Dich hier erwartet.Damals hättest Du Dir sicher nicht zugetraut, Frauenbeauftragte zu werden. Sich selbst Dinge zuzutrauen ist das eine, aber mit Deiner Wahl siehst du: Auch andere geben Dir ihr Vertrauen!
Okay, was ist Dein zukünftiges Ziel in der Werkstatt?
Mein großes Ziel ist nach wie vor, dass die Werkstatt ein Ort bleibt, an den die Beschäftigten gern zur Arbeit kommen. Ein Ort, an dem Ihr Euch sicher fühlt, Euch entwickeln könnt, Selbstbewusstsein tankt. Jeder kann mit seinen Aufgaben wachsen, hat aber auch die Chance, eigene Grenzen zu akzeptieren. Das ist der große Vorteil einer Werkstatt.
Bist Du mit Deiner Arbeit zufrieden?
Ich mag es, dass ich hier viele Dinge bewegen und Projekte verfolgen kann, die mir am Herzen liegen, zum Beispiel die Frauenbeauftragten. Ich genieße die Freiheit, so etwas mit zu entwickeln, und ich genieße die vielen Menschen um mich herum.
Hast Du Geschwister? Wenn ja, wie viele? Ich hab eine Schwester und drei Brüder.
Ich habe einen „kleinen“ Bruder, der vier Jahre jünger ist als ich. Er ist Fußballer von Beruf, dafür hats bei mir nicht gereicht.
Ich spiele übrigens Rugby.
Stimmt! Ich bin gerade dabei, das nächste One Billion Rising mit zu organisieren, eine Tanzdemonstration, um Frauen stark zu machen. Vielleicht lade ich dazu Deinen Rugbyclub ein?
Warum nicht? Fragen kostet nichts. Gibt es etwas aus Deiner Kindheit, was Dich besonders prägte?
Ich wuchs quasi in einem Mehrgenerationenhaus auf. Meine Großeltern waren für mich sehr wichtige Menschen. Es prägte mich, dass sie in meiner Kindheit da waren. Mir gefiel das gegenseitige Verständnis, dass wir uns gegenseitig halfen. Vielleicht wurde ich auch deshalb Sozialarbeiterin? Meine Oma war eher still, hatte aber alles im Griff. Ich bewundere diese Frauen, die noch den Zweiten Weltkrieg und viele schlimme Dinge erlebten. Sie konnten selten selbstbestimmt leben. Aber sie ließen sich nicht unterkriegen und mussten hart arbeiten. Von diesen Frauen können wir eine Menge lernen. Ich glaube, auch deshalb setze ich mich heute gern für die Selbstbestimmung und Gleichberechtigung von Menschen ein.
Liebe Katharina, ich danke Dir für das Gespräch.
Auch ich danke Dir für unser Gespräch, liebe Vanessa. Dein Kompliment vom Anfang kann ich nur zurückgeben. Ich finde es stark, was Du Dich inzwischen alles traust.