5. August 2025 | Logbuch |
Online-Reporter Michael Benter befragt Stephan Schneider, Fachkraft im Berufsbildungsbereich Faktor C
Du hattest früher einen eigenen Betrieb in der Werbetechnik-Branche. Was lief dort anders als bei uns in der Werkstatt?
Ich war zum Beispiel viel mehr unterwegs, bei Kunden, auf verschiedenen Baustellen, oft jeden Tag an einem anderen Arbeitsort.
In meinem Praktikum in der Werbetechnik entschrifteten wir in Berlin einen Transporter. Ich zerkratzte dabei mit dem Glasschaber ein wenig den Lack. Wäre mir das in Deiner alten Firma passiert, hätte ich dafür die Kündigung bekommen?
Nein, Micha, das hättest du nicht. Mit dem Wissen, dass du es zum ersten Mal machst, hätte ich es dir vielleicht besser erklären müssen. Wärst du darin erfahren gewesen, hättest du sicher eine Abmahnung bekommen.
Was ist das?
Eine Aufforderung, es nächstes Mal besser zu machen.
Von wann bis wann gab es Deinen Betrieb und wie viele Mitarbeiter hattest Du?
Meine Firma existierte von 1996 bis 2020. Ich betrieb sie zusammen mit einem Partner, dazu kam ein Lehrling.
Wie viele Aufträge hattet Ihr, mehr als in der Werkstatt?
Das kannst du nicht gut miteinander vergleichen. In der Werbetechnik unserer Werkstatt arbeiten viel mehr Menschen. Ich hatte damals weniger Aufträge, und sie waren anderer Art.
Welches war der anspruchsvollste Auftrag, den Du je erfülltest?
Einmal beschrifteten und montierten wir ein Werbepylon vor einem Einkaufszentrum in Neukölln. Der beidseitig beleuchtete Aufsteller war sechs Meter hoch, wir stellten ihn mit einem Kran auf. Da musste ich viele Gewerke koordinieren, von den Maurern für das Fundament über Elektriker bis zum Kranfahrer.
Hast Du auch an Wochenenden und Feiertagen gearbeitet? Wie viel Urlaub hattest Du?
Die Wochenenden hielt ich mir gern frei, um bei meiner Familie zu sein. Werktags arbeitete ich dafür oft sehr lange. Meist wurden es etwa zwei Wochen Urlaub mit der Familie.
Arbeiteten bei dir auch beeinträchtigte Menschen, oder nur die fittesten?
Ich hatte damals noch nichts mit beeinträchtigten Menschen zu tun, das kam erst in der Werkstatt.
Wie hättest Du reagiert, wenn unser Jobcoach Herr Pläp bei Dir angerufen hätte?
Ich hätte ihm zugehört und dann sicher darüber nachgedacht. Wir waren aber nur ein kleiner Betrieb und sehr auf den jeweiligen Auftrag konzentriert.
Wie kamst du auf die Idee, Fachkraft in der Werkstatt zu werden?
Als ich meine Selbständigkeit aufgeben wollte, recherchierte ich und sah: In der Caritas-Werkstatt gibts eine Abteilung Werbetechnik, da kann ich meine Erfahrung einbringen!
Warum gingst Du weg von der Werbetechnik? Ich war darüber sehr traurig.
Die Werkstattleitung suchte jemanden für den Berufsbildungs-Bereich, fragte mich und ich merkte: Das finde ich interessant! So nahm alles seinen Lauf.
Warum musst Du SPZ-Schulungen bei der GIBB machen?
Weil ich noch keine Erfahrungen im Umgang mit behinderten Menschen hatte, wollte ich mich mit den entsprechenden Methoden auseinandersetzen und das nötige Wissen erwerben. Das tue ich bis heute und freue mich nach wie vor, dass ich hier arbeiten kann.
4. August 2025 | Logbuch |
Online-Reporterin Vanessa Verderber ist mit Sabine Söhring in der Wäscherei verabredet
Ich erlebe Sabine als einen sehr einfühlsamen Menschen. Geht es jemandem mal nicht gut, tröstet sie auf sehr liebevolle Weise und ist für denjenigen da. Manchmal wechsle ich mit ihr auf dem Gang ein paar Worte – und jetzt befrage ich sie im Interview:
Was hat dich zur Caritas-Werkstatt geführt?
Ich begann hier 1986, weil sie in der Nähstube des St. Johannesbergs eine Schneiderin suchten. 2005 wechselte ich vom Wohnheim in die Werkstatt. Hier übernahm ich die Hauswirtschaftsgruppe, weil die Kollegin in Rente ging. Nach dem Umbau der Wäscherei ging ich dorthin.
Für welche Tätigkeit in der Wäscherei bist du speziell zuständig?
Wir Kolleginnen aus der Wäscherei sind für die Belange der Beschäftigten in unserem Bereich zuständig. Des Weiteren überwachen wir die Auftragsbearbeitung und die Wartung der Maschinen.
Bist du mit der Arbeit in der Wäscherei zufrieden?
Ja, ich bin zufrieden, und die Arbeit hier macht mir nach wie vor großen Spaß.
Soll sich etwas deiner Meinung nach innerhalb der Werkstatt ändern? Falls ja, was können wir ändern?
Ich denke, es wird sich etwas verändern. Bei uns im Arbeitsbereich wird es mehr um Förderung und Wissensvermittlung gehen. Wir erarbeiten QEs, anhand derer wir die Beschäftigten der Wäscherei schulen, um im weiteren Arbeitsprozess gemeinsam danach zu arbeiten.
Was ist dein zukünftiges Ziel hier in der Werkstatt?
Eine gute Arbeit zu leisten.
31. Juli 2025 | Logbuch |
Frank Nussbücker und das Team der Online-Reporter treffen im Arbeitsbereich Holz- und Metallfertigung eine Gärtnerin
Hinter dem Bereich Holz- und Metallverarbeitung in der Hauptwerkstatt stehen mehrere Kästen mit Tomatenpflanzen. Bereits letztes Jahr kam Nicole die Idee, hier Tomaten anzubauen.
Was als Gruppenprojekt begann, ist heute hauptsächlich die Sache von Nicole und ihrem Kollegen Mario. Das tolle daran: Die Versorgung ihrer durstigen Pflanzen erfolgt ausgesprochen wassersparend. Glück im Unglück, denn in der Dachrinne befindet sich ein Loch. Darunter steht ein Eimer, in dem sie das Regenwasser auffangen, welches wiederum hervorragende Nahrung für die Tomaten ist.
„Wenn du sie nur mit Leitungswasser gießt, bekommen sie braune Flecken, weil das zu kalkhaltig ist!“, verrät uns Nicole.
„Verspeisen Mario und du die Tomaten dann alleine?“, wollen wir wissen.
„Nein, die teilen wir gerecht unter uns und unseren Leuten auf!“, kommt es von beiden. Ein tolles Projekt, dazu umweltbewusst und mit schmackhaftem Ergebnis, wie Nicole zu erzählen weiß: „Unsere Tomaten schmecken einfach besser als die aus der Kaufhalle.“
30. Juli 2025 | Logbuch |
Online-Reporter Erik Egler ist unterwegs im Grünen Klassenzimmer im Oranienburger Schlosspark
Im Rahmen des Begleitenden Angebots „Erkunde die Natur“ mit Eva-Maria Göbel besuchten wir den Oranienburger Schlosspark. Im Grünen Klassenzimmer beobachteten wir die Insekten, die dort herumwuselten: Auf dem Wasser tummelten sich Wasserläufer, und wir sahen etliche Libellen. Auch die leere Hülle einer Libellenlarve entdeckten wir. Unterwegs begegneten uns dann viele Heuschrecken. Wohin wir traten, sprang eine weg.
Etliche Schilder zeigten bei uns lebende Vogelarten. Dazu waren die verschiedenen Nistkästen ausgestellt, die ihnen als Wohnung dienen können. Ein Schaukasten präsentierte Federn verschiedener Vögel sowie Abbildungen von deren Nestern.
Ein Feld mit Blumen fanden wir voller Schmetterlinge: Kohlweißlinge, Schachbrett- und Zitronenfalter, um hier nur einige zu nennen. Ein Schachbrettfalter benahm sich seltsam, wie ich fand. Er saß auf einer Blüte und flog nicht weg, als wir uns ihm näherten.
Wir durchstreiften einige der im neuen Schlosspark angelegten Gartenzimmer, darunter das mit dem Bett. Übrigens legte sich niemand von uns darauf, denn die Matratze war voller Wasser. Im Labyrinth war ich der Einzige, der bis zur Mitte mit dem Stein ging. Bei den Wasserspielen öffneten wir die kleinen Schleusentore und stellten uns mit den Füßen ins Wasser, das war schön kühl. Wer noch eine weitere Erfrischung brauchte, holte sich eine Eiscreme. Es war ein schöner Ausflug in die Natur.
29. Juli 2025 | Logbuch |
Online-Reporterin Ina Krause interviewt ihre Kollegin Irena Saenger
Wie kamst Du in die Werkstatt?
Durch meine Betreuerin. Wir guckten uns zusammen die Werkstatt an. Kurz darauf begann ich, hier zu arbeiten.
Wie gefällt es Dir hier?
Mir gefällt es sehr gut.
Wie lange bist Du schon in der Werkstatt.
Nächstes Jahr werden es 15 Jahre.
Welche Arbeiten machst Du bei uns am Aderluch?
Ich dochte Kerzen, schneide die Zwischenwände für Bienenwaben und gieße draußen unsere Blumen.
Was machst Du in Deiner Freizeit?
Schreiben, lesen und basteln, ich webe zum Beispiel Steppdecken. Oft bin ich auch draußen. Sehr gern arbeite ich im Garten. Ich finde meine Kollegin Irena sehr interessant, und sie wirkt auf mich immer glücklich. Sie ist kuschelig und verschmust. Ich finde Irena auch sehr clever. Sie arbeitet sehr lange und ist jeden Tag da. Ich bin froh, dass Irena bei uns am Aderluch bei B.Plus ist.
28. Juli 2025 | Logbuch |
Online-Reporter Erik Egler beweist Geschmack
Wir wollten in der Küche nicht immer nur getrocknete Kräuter verwenden. Aus diesem Grund sagten wir uns: „Lieber mal was frisches!“
Gesagt, getan, legten wir zwei Blumenkästen mit Kräutern an. In ihnen wachsen nun Schnittlauch, Petersilie und Basilikum.
Beim Schnittlauch müssen wir ein bisschen aufpassen und rechtzeitig die Blüten abschneiden. Ansonsten wird der Lauch bitter, und wir können ihn nicht mehr verwenden. Bei der Petersilie schneiden wir lange Stängel ab. Auch dort würden sich sonst Blüten bilden.
Einmal versuchten wir, Minze anzubauen, aber die übernahm überraschend schnell das Kommando und entschied: „Dieser Kasten gehört jetzt mir!“ Deshalb mussten wir sie entfernen.
Unsere frischen Kräuter nutzen wir zum Beispiel für den Tomatensalat mit Mozzarella-Bällchen, den wir in der Cantina verkaufen.
27. Juli 2025 | Logbuch |
Online-Reporter Michael Benter und andere Beschäftigte der Caritas-Werkstatt besuchen die Special Olympics in Berlin
Letzten Freitag fuhren wir zusammen mit Marcel Teichmann zu den Special Olympics Landesspielen Berlin ins Sportforum Hohenschönhausen. Hier traten Athletinnen und Athleten mit geistiger Beeinträchtigung in den Sportarten Fußball, Judo und Basketball an. Zunächst guckten wir beim Fußball zu, dann ging ich zusammen mit Marcel und einigen anderen in die Judohalle.
Hier zeigten Judokas mit verschiedenfarbigen Gürteln gute Kämpfe. Mateo, BuFDi aus dem Aderluch, vervollständigte unsere Reisegruppe. Viele Jahre war er im Judo aktiv, gehörte Auswahlkadern an, trainierte fünf- bis sechsmal pro Woche. Er erklärte uns die unterschiedlichen Gürtelfarben und die Hinweise der Trainer, was sehr interessant war!
Wieder draußen, sah ich beim 400 Meter-Lauf zu. Wir kauften uns was zu essen und schossen unser Gruppenfoto. Außerdem gab es viele Mitmach-Angebote wie Frisbee, Golf, Fußball Dart, Wurf- und Fangspiele.
Zum Abschluss gingen wir nochmal zum Fußballplatz und unterstützten das Team der Gronenfelder-Werkstatt aus Frankfurt/Oder, dem aktuellen Landesmeister. Die Spieler unserer Werkstatt-Mannschaft kickten ein bisschen auf dem Rasen nebenan. Ich selbst spielte nicht mit, denn ich habe Angst vorm Ball. Außerdem wollte ich Euch darüber berichten. Wer weiß, ob ich dazu noch in der Lage gewesen wäre, hätte ich einen Ball vorn Kopf bekommen.
„Beim nächsten Mal sind wir als Aktive dabei!“, sagte Marcel. Es war ein gelungener Ausflug. Marcel hat recht, wenn er sagt: „Jeder, der nicht dabei war, hat was verpasst.“
25. Juli 2025 | Logbuch |
Die Online-Reporterinnen und Reporter Ina Krause, Michaela Senf und Alonzo Münn berichten von den Aderlympics
Ina Krause
Weil so schlechtes Wetter war, verlegten wir unser Sportfest nach drinnen Es begann mit dem olympischen Feuer und einer Ansprache von Mike Dessombes. Dann fingen die verschiedenen Sportangebote an Slalom- Parkour, Kegeln, Geschicklichkeitsspiele, Fitness- Ecke, Tisch-Kicker, Tischtennis und Musik hören.
Später wurde gegrillt und es gab Getränke. Alle bekamen eine Medaille und auf einem Tisch lagen kleine Preise. Petra gefiel, dass alle viel lachten und sich gegenseitig anfeuerten. Thomas mochte besonders, dass alle viel Spaß hatten.
Alonzo Münn
Dieses Jahr trug ich unsere Fake-Fackel, jedes Jahr ist jemand anderes ihr Fackelträger. Das echte Olympische Feuer vom Aderluch entzündeten Stephan Latotzke und Mike Dessombes. Es brannte unterm Vordach, aber wir räumten es später zur Seite, weil sich dort unser Parcour mit aufgestellten Pylonen befand. Ihn galt es zu Fuß, Roller, Rollstuhl, Dreirad oder per Fahrrad zu bewältigen. Ich selbst nutzte unser Dreirad. Kristin lief nebenher, weil sie wegen einer Verletzung nicht Fahrrad fahren konnte.
In der Fitness-Ecke würfelten wir eine Zahl, um anschließend der Augenzahl entsprechend Liegestütze, Kniebeuge und andere Übungen zu machen. Jeder so, wie er kann, deshalb fand ich gut, dass am Ende alle eine Medaille und dazu Lineal, Wasser- oder Knautschball, Kulis, Blöcke mit Klebe-Merkzetteln, Schlüsselbänder, Chips, Taschentücher oder eine Süßigkeit bekam.
Zum Mittag gab es Bratwurst vom Grill und als Nachtisch Wassermelone. Wir grillten unter unserem Vordach, wo sonst die Taxis parken. Zuvor hatten wir Schilder gebastelt, dass dort heute niemand parkt.
Michaela Senf
Ich wäre gern zum Integration-Sportfest nach Hennigsdorf mitgefahren. Umso schöner, dass wir uns das Sportfest wieder einmal zu uns an den Aderluch holten. Ich half mit, vor Beginn alles aufzubauen und kümmerte mich dann ein bisschen um unsere Rollifahrer. Ich finde es sehr schön, dass wir alle zusammen solche Höhepunkte erleben.
Dass alle eine Medaille bekamen, ist richtig. Denn Sieger waren wir alle, weil wir uns den Spaß vom Dauerregen nicht nehmen ließen.
24. Juli 2025 | Logbuch |
Online-Reporter Michael Benter befragt Alexander Laesicke, den Bürgermeister von Oranienburg
Wann beginnt Dein Arbeitstag und wann endet er?
Im Prinzip ist jeder Arbeitstag anders, aber zumeist bringe ich zuerst unsere beiden Kinder zur Schule. Dort klingelt um 7.20 Uhr die Glocke, danach gehe ich ins Büro. Abends kann es spät werden. Gestern gings bis 21.00 Uhr, wobei die Stadtverordneten zumeist bis 22.00 Uhr tagen. Es gibt auch ruhigere Zeiten, dann habe ich mehr Zeit für Familie.
Was sind Stadtverordnete?
Als Bürgermeister bin ich Chef der Verwaltung und Diener des Stadtparlaments. Dessen Parteien treffen wichtige Entscheidungen. Streiten wir miteinander, geht es darum, am Ende eine gute Lösung zu finden.
Wie viele Urlaubstage hast Du im Jahr und hast Du eine Vertretung?
Wie alle unsere Mitarbeiter habe ich 30 Urlaubstage – und nicht nur eine Vertretung, sondern eine ganze Reihenfolge von Vertretern. Alle haben ihre eigenen Verantwortungsbereiche – in jedem Fall gibt es immer einen Bürgermeister, selbst wenn mein Stellvertreter und ich nicht da sind!
Rufen Dich oft Menschen an: „Komm mal vorbei, ich möchte ein Gespräch mit Dir.“?
Na klar, Du zum Beispiel! Viele Menschen wollen mich persönlich sprechen. Manche haben Hemmungen, zu mir ins Schloss zu kommen, auch ich habe Ehrfurcht vor diesem tollen Haus. Deshalb mache ich Bürgersprechstunden an verschiedenen Orten in der Stadt.
Stimmt! Ich habe Dich am Bahnhof an deinem Infostand gesehen. Was machst Du da?
Dort wie anderswo komme ich mit den Menschen in Kontakt. Es ist mir wichtig, mit ihnen über ihre konkreten Wünsche und Sorgen zu sprechen.
Zum Beispiel gibt’s auf dem Bahnhofsvorplatz keinen Baum.
Bäume sind generell ein großes Thema! Zum einen stehen dort einige historische Häuser, die du aus Denkmalschutz-Gründen nicht verdecken darfst. Vor allem aber verlaufen dort unter der Erde jede Menge Wasser‑, Abwasser und Stromleitungen. Der Bahnhofsplatz ist der Knotenpunkt unserer Stadt, da ist es aus Platzgründen sehr schwer, einen Baum zu pflanzen. Auf dem Schlossplatz mussten leider auch Bäume gefällt werden. Hier können wir aber bald neue pflanzen.
Hast Du ein Dienst-Fahrrad? Wie kommst Du zur Arbeit?
Meist fahre ich mit meinem eigenen Fahrrad oder mit dem Auto. Wir haben Dienstautos, Fahrräder, sogar E‑Lastenfahrräder. Auf kürzeren Strecken komme ich in Oranienburg mit dem Fahrrad schneller zum Ziel als mit dem Auto. E‑Fahrräder benutze ich allerdings ungern. Ich sitze viel im Büro, da genieße ich es, mit eigener Muskelkraft ans Ziel zu kommen.
Bist Du oft in der Stadt unterwegs und kommst mit Leuten ins Gespräch?
In der Stadt bin ich jeden Tag unterwegs, aber Oranienburg ist sehr groß. Sehr oft sprechen mich auf der Straße Menschen an, häufig auch Kinder. Klar musst du in meinem Job damit rechnen, dass du mal hart kritisiert wirst, aber die allermeisten Oranienburger sind wirklich total nett. Zumindest von Angesicht zu Angesicht, in den sozialen Medien sieht das manchmal anders aus.
Ich weiß! Wie schaffst Du es, mit guter und schlechter Kritik klarzukommen, die auf Dich einstürmt?
Mit guter Kritik kommt wohl jeder von uns prima klar. Sagt mir jemand: „Oranienburg ist so schön geworden!“, macht das auch meinen Tag schön. Oft gilt jedoch: Schweigen bedeutet Zustimmung. Kritik kann hart, manchmal auch gemein und unfair sein, aber damit musst du klarkommen, wenn Du in der Öffentlichkeit stehst. Ich nehme Kritik ernst, wenn sie sachlich ist.
Wie bereitest Du Dich auf Veranstaltungen vor, auf die Du eingeladen wirst? Bist Du oft selbst der Veranstalter?
Viele Veranstaltungen wie Stadtfest, Stadtempfang und andere veranstalten wir selbst und laden die Oranienburger zur Geselligkeit ein. Wie wichtig das ist, wissen wir spätestens seit der Corona-Zeit. Die machte etwas mit den Menschen. Deshalb finde ich es sehr wichtig, Menschen zusammenzuführen.
Oft werde ich auch eingeladen und um ein Grußwort gebeten, zum Beispiel vom Landrat, wenn Orafol oder andere Unternehmen eine neue Halle eröffnen – oder wie neulich bei Euch in der Caritas-Werkstatt zum Johannesfest.
Hast Du nur im Schloss ein Büro? Kann ich Dein Büro mal kennenlernen?
Du kannst sehr gern vorbeikommen! Ich bekomme ganz viel Besuch, oft von Schulklassen oder Kita-Gruppen. Allerdings habe ich viele Termine. Spontan kanns also schwierig werden. Besser ist es, wir verabreden uns.
Apropos Büro: Zur Weihnachtszeit ist oben auf dem Schloss-Balkon eine Weihnachtsgans Auguste zu sehen. Ist dort Dein Büro und die Weihnachtsgans Dein Maskottchen?
Mein Büro liegt gleich daneben, die zwei Fenster direkt neben dem Balkon mit der Weihnachtsgans. Als Friedrich Wolf diese Geschichte schrieb, wohnte er übrigens in Lehnitz. Er beschreibt darin einen Laden in der Breiten Straße, und ich glaube, dass er damit unsere Breite Straße meint. Deshalb sehe ich die Weihnachtsgans als das Oranienburger Maskottchen, besonders in der Weihnachtszeit.
Wie hast Du die Caritas-Werkstatt kennengelernt? Was verbindet Dich mit uns?
Der Johannesberg kenne ich seit meiner Kindheit. Mit Freunden aus der katholischen Gemeinde und auch aus dem Johannesberg spielte ich bei Euch oft Fußball – hinten, wo jetzt die Caritas-Schule ist. Den Platz gibt es heute noch. Die Werkstatt habe ich durch Euch kennengelernt. Ihr habt mich schon oft eingeladen, und ich bin sehr gern bei Euch.
Kannst Du Dir vorstellen, in der Caritas-Werkstatt zu arbeiten, statt als Bürgermeister?
In ein paar Wochen muss ich mich zur Wahl stellen. Ich liebe meinen Job, werde kandidieren und hoffe, dass mich die Oranienburger wiederwählen. Das aber kannst du in einer Demokratie nicht vorhersehen, und das ist auch gut so! Wäre da einer für immer in so einer Position, steht die Gefahr, dass er ein Diktator wird. Werde ich abgewählt, muss ich mir also einen neuen Job suchen – traust du mir denn zu, dass ich bei euch arbeiten kann?
Natürlich!
Bei meinen Besuchen hier habe ich immer eine tolle Atmosphäre erlebt. Wie gesagt, ich liebe meinen Job, aber bei Euch würde ich gern arbeiten.
Was bedeutet Arbeit für Dich?
Ein großer Teil meiner Arbeit besteht aus Wertschätzung. Eine Kita oder Schule einzuweihen oder zu besuchen, fühlt sich gar nicht wie Arbeit an. Arbeit bedeutet in meinem Verständnis nicht nur, etwas zu produzieren, sondern vor allem: Immer wieder meine Kraft dafür zu geben, Oranienburg ein kleines Stückchen besser zu machen.
Auch bei euch geht es ja nicht nur darum, etwas in einer bestimmten Stückzahl zu produzieren. Unsere Stadt wäre ärmer ohne die Arbeit, die Ihr leistet. Es geht eben nicht nur um das greifbare Produkt, das am Ende des Arbeitsprozesses rauskommt, sondern auch immer ein Stück weit um die dabei gelebte Kultur.
Hast Du schon mal gesehen, wie voll der Bus zur Gedenkstätte Sachsenhausen besonders am Wochenende ist? Ich würde mir wünschen, dass er zumindest da öfter fährt. Kannst Du da was machen?
Perspektivisch bekommen wir immer mehr Busse, dennoch passiert immer wieder das, was Du gerade geschildert hast. Dieses Thema obliegt dem Landrat, aber ich verstehe seine Probleme. Der Bus ist nicht immer voll, aber Du hast Spitzenzeiten, in denen fahren gefühlt alle. Ideal wäre ein kleiner Bus, der sich bei Bedarf auffaltet und fünfmal so groß wird. Die erste Aufgabe des Busverkehrs lautet: Die Kinder müssen zur Schule kommen, und am Wochenende ist keine Schule. Dazu kommt, dass wir nicht genügend Busfahrer haben.
Landräte und Bürgermeistern setzen sich dafür ein, dass wir mehr Busse bekommen. Ich bin sehr stolz auf den Plus-Bus nach Bernau. Hier taten wir uns alle zusammen und gaben Geld, dass der Landkreis diesen Bus zum Laufen bringen konnte.
Warst Du bei der Eröffnung des Plus-Bus 825 nach Bernau mit an Bord?
Natürlich, und ich war sehr glücklich darüber! Schließlich war das Ganze die Idee von uns Bürgermeistern. Ich bin davon überzeugt, dass er bleibt, weil das Ganze funktioniert.
Hast Du als Bürgermeister mit WOBA, OWG und anderen Vermietern zu tun? Die Mieten sind auch in Oranienburg ganz schön teuer. Kannst Du da etwas ändern?
Ich setze mich dafür ein, denn das sollte ein Bürgermeister immer tun. Die WOBA ist unser Unternehmen, und ihre Mieten sind verhältnismäßig günstig. Nun wächst unsere Stadt seit etlichen Jahren stetig, immer mehr Berliner ziehen zu uns raus. Auf der Warteliste der WOBA stehen 1.300 Menschen, aber nur 400 Wohnungen werden jährlich frei. Wir müssen mehr Wohnungen bauen. Das tun wir auch, aber es reicht leider nicht aus. Obendrein brauchen wir mehr Plätze in Kitas, Grundschulen, mehr Strom, Busse, auch unser Klärwerk kommt an seine Grenzen. Wachstumsschmerzen nennt man das, und wir arbeiten daran, sie zu lindern.
Nimmst Du den Bürgermeister mit nach Hause, oder kannst Du daheim von Deiner Tätigkeit abschalten?
Komme ich nach Hause, ist das mein „Ruheraum“, in dem ich unseren Kindern und meiner Frau „gehöre“. Ich versuche, den Stress an der Haustür abzustreifen, was mir nicht immer gelingt. Manche Sorge erscheint so schwer, da grübelst du auch zu Hause weiter.
Das glaube ich Dir gern. Lieber Alex, ich danke Dir, dass Du Dir die Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten.
Das hat mir großen Spaß gemacht, und ich komme gerne wieder.
21. Juli 2025 | Logbuch |
Oranienburg summt – auch dank Online-Reporterin Ina Krause
Wir produzieren am Aderluch unter anderem Zwischenwände für Bienenwaben. In ihnen ziehen die Bienen ihre Babys groß und lagern den Nektar, der später Honig wird. Die Wände bestehen aus Bienenwachs und werden entsprechend des jeweiligen Auftrags eingemessen. Wir fertigen sie mit einem Gerät, das wie ein Waffeleisen aussieht. Es prägt das Bienenwaben-Muster in die Wachs-Platten und kühlt, damit das heiße Wachs fest wird.
Wir produzieren diese Zwischenwände für die Imker des Kreises Oranienburg. Die Imker brauchen eine Bescheinigung, dass ihre Bienen gesund sind. Dann dürfen wir für sie tätig werden.
Eine Weile hatten wir keinen Auftrag dafür. Deshalb verpackte eine Gruppe Zuckerwatte-Stäbchen, die andere stellt Kerzen her. Dabei wechselten sich beide Gruppen ab. Das ist auch gut, aber wie schön, dass wir gerade einen schönen neuen Auftrag mit 12 kg Wachs reinbekamen, um den lieben Bienen zu helfen.
17. Juli 2025 | Logbuch |
Die Online-Reporterinnen Julia Bußler und Manuela Wroblewski gratulieren
Bei uns in der Werbemittelfertigung gibt es ein freudiges Ereignis!
Unsere Kollegin Jessica Wagner brachte in den ganz frühen Morgenstunden des 8. Juli 2025 ein gesundes kleines Mädchen zur Welt. Emely-Zoe und ihre Mama sind wohlauf – und wir total happy!
Die ganze Abteilung sammelte für sie. Im Rahmen des begleitenden Angebots Gestaltung mit Eva-Maria Göbel fertigten wir eine riesige Windeltorte – man munkelt von 192 Windeln, in jedem Fall waren es sehr viele. Dazu gabs viele kleine Extras wie Rassel, Sabberlatz, Schnullerkette zum Anklipsen, Babytücher, Trinkflasche, Gutscheine und, ganz oben drauf, ein Kuscheltier.
Das alles brachten wir am 9. Juli per Handwagen in die Oberhavel-Klinik in Oranienburg. Jessica freute sich sehr und erlaubte uns, hier von dem für uns alle so freudigen Ereignis zu erzählen.
„Die Kleine sieht ja auch total niedlich aus!“, so unsere Kollegin Djamila, „janz jenau wie ihre Mudder!“
15. Juli 2025 | Logbuch |
Online-Reporterin Monika Fiedler zeigt Mut mit einem Bericht in eigener Sache
Vor einigen Wochen war es soweit: Nach 9 Jahren stand wieder einmal die Tagesklinik auf meinem Programm. Es ging mir schon seit längerer Zeit nicht so gut, was natürlich auch die Werkstatt bemerkte. Nur ich wollte es wohl noch nicht in dem Ausmaß wahrhaben.
Vergeblich hatte ich ein Jahr lang nach einem ambulanten Therapieplatz gesucht. Ich hatte regelmäßig Gespräche bei unserem Fachdienst und Sozialarbeiter Klemens sowie mit meiner Gruppenleiterin Melissa, aber das reichte nun nicht mehr aus.
Klemens plädierte für einen stationären Aufenthalt, was für mich jedoch nicht in Betracht kam. Ich „rettete“ mich in die Tagesklinik.
Am ersten Tag bei der Morgenrunde, wir saßen im Kreis auf Hocker oder Ball, war mir klar: „Oh Gott, ich bin wieder in der Tagesklinik angekommen!“ Ich musste weinen und rausgehen, so niedergeschlagen war ich.
Aber ich schaffte es. Ich hatte begriffen, dass es sein musste. Klemens und die Werkstatt hatten mich in die richtige Richtung „geschubst“. Im Nachhinein bin ich ihm und allen anderen Beteiligten dankbar dafür. Nun bin ich froh, dass ich wieder in die Werkstatt kommen kann.